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Wildgans-Lebermus

Ein new Kochbuch/ Das ist Ein gruͤndtliche beschreibung wie man recht vnd wol ... allerley Speiß ... auff Teutsche/ Vngerische/ Hispanische/ Jtalianische vnnd Frantzoͤsische weiß/ kochen vnd zubereiten solle · Frankfurt am Main · 1581

WildHauptspeise · WildMittelKorrekturBearbeitungsstand 7/10
BuchEin new Kochbuch (~1581)

Du kannst aus der Leber auch ein Mus machen.

OriginalModernMengenangabeWo kaufenAlternative
Leber Leber - Jäger, Wildhändler -

Welches Gericht ist das? Kein ausgeschriebenes Rezept, sondern ein einzelner Satz: Nr. 9 im Kapitel von der wilden Gans nennt nur das Gericht, ein Mus aus der Leber. Schritte, Zutaten oder Mengen gibt Rumpolt hier nicht, und anders als beim Damhirsch (rum-0337) steht auch kein „wie vorhin“ dabei.

Welche Leber? Der Satz sagt nur „Leber“. Das Kapitel gibt die Wildgans vor, deshalb lesen wir die Leber der Wildgans. Die Hausgans hat bei Rumpolt ein eigenes Kapitel; dort brät er die Gänseleber im Kalbsnetz und schreibt, man könne auch ein Mus daraus machen, „wie zuvor ist angezeigt worden“ (rum-0602).

Welches Verfahren? Ausgeschrieben ist das Lebermus beim Lamm (rum-0205), das mit dem Satz schließt, ein solches Mus könne man „von allerley Lebern machen“. Dasselbe Verfahren beschreibt Rumpolt beim Reh (rum-0363) und für Geflügel bei der Kapaunenleber (rum-0677). Welche Fassung er hier meint, sagt er nicht.

Praxis. Nach rum-0205: Schneide die Leber auseinander, brate sie ungesalzen auf dem Rost ab und stoße sie im Mörser mit schwarzen Rosinen und ein oder zwei braun gerösteten Scheiben Weißbrot. Löse die Masse mit Wein, lass sie unter Rühren aufkochen, damit nichts anbrennt, und streiche sie durch, bis sie dick ist. Mach sie mit Zimt und Zucker an und lass sie noch einmal aufsieden; erst in der Hitze bindet das geröstete Brot. Die Kapaunen-Fassung (rum-0677) löst mit warmem Wein, streicht durch ein Haartuch und würzt zusätzlich mit etwas Pfeffer. Die Leber der Wildgans bekommst du beim Jäger oder Wildhändler.

Wo finde ich die Zubereitung für dieses Lebermus?

Hier steht keine, Rumpolt nennt nur das Gericht. Ausgeschrieben hat er das Lebermus beim Lamm (rum-0205), mit dem Satz, ein solches Mus könne man von allerlei Lebern machen. Für Geflügelleber beschreibt er es beim Kapaun (rum-0677).

Welche Leber ist gemeint?

Die der Wildgans: Das Rezept steht im Kapitel „Von einer wilden Ganß“, der Satz selbst sagt nur „Leber“. Die Leber der Hausgans behandelt Rumpolt in deren eigenem Kapitel (rum-0602).

Was bedeutet „Mus“ hier?

Ein dicker, durchgestrichener Brei. Bei Rumpolt wird die Leber dafür gebraten, mit schwarzen Rosinen und geröstetem Brot im Mörser gestoßen, mit Wein aufgekocht, durchgestrichen und mit Zimt und Zucker angemacht (rum-0205). Mit einer heutigen Leberpastete hat das wenig gemein.

Ist dieses Rezept für die Lagerküche / das Mittelaltermarkt-Lager geeignet?

Nein. Der Text enthält kein eigenes Verfahren, nur den Namen des Gerichts. Dazu kommt die Beschaffung: Wildgansleber gibt es allenfalls beim Jäger oder Wildhändler, und frische Leber braucht eine durchgehende Kühlkette.

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus „Ein new Kochbuch“. Kochbuch des kurfürstlich-mainzischen Mundkochs Marx Rumpolt, gedruckt 1581 in Frankfurt am Main: rund 1.300 durchnummerierte Rezepte in 91 Kapiteln, geordnet nach Tierarten und Zutaten, dazu Bankett- und Hofämter-Ordnungen für die fürstliche Tafel.

9. Du kanst auß der Leber auch ein Muß machen.
Muß

Mus, ein dicker, durchgestrichener Brei. Das Verfahren steht hier nicht; bei Rumpolt wird die Leber dafür gebraten, mit schwarzen Rosinen und geröstetem Brot gestoßen, mit Wein aufgekocht und durchgestrichen (rum-0205, rum-0677).

Druck
Ein new Kochbuch/ Das ist Ein gruͤndtliche beschreibung wie man recht vnd wol ... allerley Speiß ... auff Teutsche/ Vngerische/ Hispanische/ Jtalianische vnnd Frantzoͤsische weiß/ kochen vnd zubereiten solle
Teil
Von der Wildgans
Sprache
Frühneuhochdeutsch (Frankfurter Druckersprache mit oberdeutscher Schreibung, südwestdeutsch/rhein-mainischer Küchenwortschatz, 1581)
Entstehung
Frankfurt am Main, 1581

Normdaten der Zutaten

Zuordnung der historischen Zutatennamen zu Wikidata-Konzepten, auf Grundlage des CoReMA-Zutatenindex. Mehrere Konzepte bedeuten: die Lesart ist nicht entschieden.

Leberliver Q1470283

Lesarten

Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.

LesartLeber

Gewählte Lesart: Die Leber der Wildgans: Der Satz nennt kein Tier, das Rezept steht aber als Nr. 9 im Kapitel „Von einer wilden Ganß seind achzenerley Speiß vnd Trachten zu machen“, und die Nachbarn Nr. 10 bis 14 verwerten Magen, Hattele, Knödel und Priseindel derselben Gans.

Andere mögliche Lesart:

  • Die Leber der Hausgans - Heute die gängige Gänseleber. Rumpolt behandelt die Hausgans aber in einem eigenen Kapitel und gibt dort der Gänseleber ein eigenes Rezept, das ebenfalls auf ein Mus verweist (rum-0602); für dieses Rezept gibt das Kapitel die Wildgans vor.

LesartMuß

Gewählte Lesart: Das braune Lebermus vom Lamm (rum-0205): Es steht vor dieser Stelle und schließt mit „ein solch Muß kanstu von allerley Lebern machen“. Gebratene Leber, mit schwarzen Rosinen und geröstetem Weck gestoßen, mit Wein gelöst, aufgekocht, durchgestrichen, mit Zimt und Zucker angemacht.

Andere mögliche Lesarten:

  • Das Kapaunenlebermus (rum-0677) mit warmem Wein, Haartuch, Zucker, Zimt und etwas Pfeffer - Die einzige ausgeschriebene Fassung für Geflügelleber und deshalb sachlich am nächsten; sie steht im Buch aber erst nach dieser Stelle.
  • Das Reh-Lebermus (rum-0363) mit Ingwer und wenig Nelken, wahlweise mit Rindfleischbrühe gelöst - Dasselbe Grundverfahren, ausführlicher beschrieben; Rumpolt lässt dort offen, ob man es süß macht. Als Parallele für Würzung und Flüssigkeit brauchbar.

Originalwerk (~1581) gemeinfrei.

Bildquelle
Bl. LXXIb, Staatsbibliothek zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz, PPN824825497 Quelle öffnen
Transkription
Deutsches Textarchiv (DTA), Transkription Justus-Liebig-Universität Gießen 2013 Link öffnen
Übersetzung & Anmerkungen
CC BY-SA 4.0 fyndling.de
Permalink
https://w3id.org/fyndling/rum-0588
LagerkücheLagerküche
Nein: Das Rezept nennt nur das Gericht, ein eigenes Verfahren steht nicht da; ausgeschrieben ist das Lebermus beim Lamm (rum-0205). Dazu kommt die Beschaffung: Wildgansleber gibt es allenfalls beim Jäger oder Wildhändler, und frische Leber braucht eine durchgehende Kühlkette.
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Stand dieser Fassung: 06.10.2026. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.