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Krammetsvögel, kalt abgebraten, mit Weichselsauce

Ein new Kochbuch/ Das ist Ein gruͤndtliche beschreibung wie man recht vnd wol ... allerley Speiß ... auff Teutsche/ Vngerische/ Hispanische/ Jtalianische vnnd Frantzoͤsische weiß/ kochen vnd zubereiten solle · Frankfurt am Main · 1581

WildHauptspeise · WildLagerkücheLagerküche-tauglichEinfachKorrekturBearbeitungsstand 8/10
BuchEin new Kochbuch (~1581)

Kalt abgebraten und mit einer Weichselsauce begossen, ist es ein herrliches Essen.

OriginalModernMengenangabeWo kaufenAlternative
(erschlossen) Krammetsvögel (aus der Kapitelüberschrift) - - -
Weichselsalsen Weichselsauce - Selbst zubereiten wie in rum-1558; Sauerkirschen im Glas als heutige Grundlage -

Welches Gericht ist das? Gebratene Krammetsvögel, kalt aufgetragen und mit Weichselsauce, also Sauerkirschsauce, begossen. Heute erinnert das an kaltes Wildgeflügel mit einer Kirsch-Fruchtsauce. Von der Nachbarnummer (rum-0827), die trocken abgebraten mit Limonienscheiben kommt, unterscheidet sich diese durch das Kaltwerden und die Sauce.

Die Weichselsauce. Wie sie gemacht wird, sagt diese Zeile nicht, auch nicht, ob sie dick oder dünn, warm oder kalt sein soll. Rumpolt beschreibt sie an anderer Stelle (rum-1558): dick eingekocht und mit Wein und Zucker wieder flüssig gemacht. Bei der kalten Kalbskeule (rum-0132) treibt er sie mit Wein dünn ab, aber nicht zu dünn. Hier wird das nicht festgelegt. Dass das Begießen dem kalten, trockeneren Fleisch Saft und Säure gibt, ist eine Deutung; der Text sagt es nicht.

Braten und Auskühlen. Rumpolt schreibt nur „kalt abgebraten“. Gerät, Hitze und Bratdauer nennt er nicht, und sie werden hier nicht ergänzt.

Praxis. Nachkochen lässt sich das Gericht nur, wenn man die Weichselsauce nach rum-1558 zubereitet; das ist dann eine Entscheidung des Kochs, keine Angabe dieser Zeile. Krammetsvögel sind kleine Vögel von Drosselgröße und im Handel nicht üblich. Die gebratenen Vögel müssen bis zum Auftragen gekühlt stehen.

Was sind Krammetsvögel?

Krammetsvogel ist der alte Name der Wacholderdrossel; das Wort geht auf „Kranewitt“, Wacholder, zurück. Rumpolt widmet ihnen ein eigenes Kapitel mit fünfzehn Zubereitungen; dies ist die zehnte.

Woher weiß man, welcher Vogel gemeint ist?

Aus der Kapitelüberschrift „Von Kramatsvögeln seind fünffzenerley Speiß“. Die Zeile selbst nennt kein Tier, sie ist eine der fünfzehn nummerierten Speisen dieses Kapitels.

Was ist eine Weichselsauce?

Eine Sauerkirschsauce. Salse heißt Tunke, Weichsel Sauerkirsche. Rumpolt beschreibt sie an eigener Stelle (rum-1558): dick eingekocht, mit Wein und Zucker wieder flüssig gemacht und mit Zimtzucker bestreut.

Warum ist die Anweisung so kurz?

Die Zeile nennt nur das Nötigste: braten, kalt werden lassen, mit Weichselsauce begießen. Kalter Braten mit Weichselsauce kommt bei Rumpolt immer wieder vor, ausführlich etwa bei der Kalbskeule (rum-0132) und beim Hasen (rum-0400). Mengen und Garzeit fehlen hier, und wir ergänzen sie nicht.

Ist dieses Rezept für die Lagerküche geeignet?

Eingeschränkt. Die Zeile nennt weder Mengen noch Garzeit noch die Zubereitung der Sauce. Die frischen Vögel müssen bis zum Braten und nach dem Auskühlen gekühlt bleiben, und Krammetsvögel sind im Handel nicht üblich.

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus „Ein new Kochbuch“. Kochbuch des kurfürstlich-mainzischen Mundkochs Marx Rumpolt, gedruckt 1581 in Frankfurt am Main: rund 1.300 durchnummerierte Rezepte in 91 Kapiteln, geordnet nach Tierarten und Zutaten, dazu Bankett- und Hofämter-Ordnungen für die fürstliche Tafel.

10. Kalt abgebraten, mit einer Weichselsalsen begossen, ist es ein herrlichs Essen.
Weichselsalsen

Salse ist eine Tunke oder Sauce, kein Salz; Weichsel ist die Sauerkirsche. Die Weichselsauce beschreibt Rumpolt an eigener Stelle (rum-1558): dick eingekocht und mit Wein und Zucker wieder flüssig gemacht. „Mit einer Weichselsalsen“ ist Einzahl, gemeint ist eine Sauce.

Kalt abgebraten

Fertig gebraten und kalt aufgetragen. Wer gebraten wird, steht nicht in der Zeile; das Tier ergibt sich aus der Kapitelüberschrift „Von Kramatsvögeln“. Dieselbe Wendung nutzt Rumpolt für kalten Fasan (rum-0559).

herrlichs Essen

Ein lobendes Urteil über das Gericht, keine Zubereitungsangabe. Ähnlich schließt Rumpolt den kalten Hasen mit Weichselsauce (rum-0400): „ein herrlich vnnd zierlich essen“.

Druck
Ein new Kochbuch/ Das ist Ein gruͤndtliche beschreibung wie man recht vnd wol ... allerley Speiß ... auff Teutsche/ Vngerische/ Hispanische/ Jtalianische vnnd Frantzoͤsische weiß/ kochen vnd zubereiten solle
Teil
Von Krammetsvögeln (Wacholderdrosseln)
Sprache
Frühneuhochdeutsch (Frankfurter Druckersprache mit oberdeutscher Schreibung, südwestdeutsch/rhein-mainischer Küchenwortschatz, 1581)
Entstehung
Frankfurt am Main, 1581

Lesarten

Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.

LesartWeichselsalsen

Gewählte Lesart: „Weichselsauce“, also Sauerkirschsauce, in der Einzahl. Grund: Salse ist Tunke (Lexer, BMZ, Mittelniederdeutsches Wörterbuch), und Rumpolts übrige Rezepte mit Weichselsalsen sind durchgehend als „Weichselsauce“ übersetzt.

Andere mögliche Lesarten:

  • „Weichselsalse“ als Lehnform stehen lassen. - Wortnäher, aber uneinheitlich mit den anderen Rezepten des Buchs; die Druckform steht in Transkription und Anmerkung.
  • Mehrzahl „mit Weichselsaucen“. - Nicht gewählt: „einer Weichselsalsen“ ist der Dativ Einzahl eines schwachen Femininums, keine Mehrzahl.

LesartBeschaffenheit der Weichselsauce

Gewählte Lesart: Wie in Rumpolts Parallelen: dick eingekochte Weichselsauce, mit Wein und Zucker wieder gelöst (rum-1558) oder mit Wein „fein dünn“ abgetrieben, aber nicht zu dünn (rum-0132). Diese Zeile verweist auf keines der beiden Rezepte; die Lesart stützt sich auf das Muster im Buch.

Andere mögliche Lesart:

  • Konsistenz und Temperatur offen lassen. - Das ist die Praxis-Empfehlung: Der Text sagt weder dick noch dünn, weder warm noch kalt, und die Übersetzung legt nichts fest.

Lesartabgebraten

Gewählte Lesart: Gebraten, ohne bestimmten Garweg. Rumpolt nennt weder Spieß noch Pfanne noch Dauer; auch die Nachbarnummer (rum-0827) sagt nur „abgebraten“.

Andere mögliche Lesart:

  • Am Spieß gebraten. - Für kleine Vögel naheliegend, steht aber nicht im Text und wird deshalb nicht ergänzt.

Lesartist es

Gewählte Lesart: Das „es“ meint die Krammetsvögel aus der Kapitelüberschrift. Die Übersetzung behält den Satz ohne Subjekt wie im Druck; der Titel nennt das Tier.

Andere mögliche Lesart:

  • „Krammetsvögel“ als Subjekt in die Übersetzung einfügen. - Nicht gewählt, damit die Übersetzung nichts enthält, was nicht in der Zeile steht.

Originalwerk (~1581) gemeinfrei.

Bildquelle
Bl. XCIIa, Staatsbibliothek zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz, PPN824825497 Quelle öffnen
Transkription
Deutsches Textarchiv (DTA), Transkription Justus-Liebig-Universität Gießen 2013 Link öffnen
Übersetzung & Anmerkungen
CC BY-SA 4.0 fyndling.de
Permalink
https://w3id.org/fyndling/rum-0828
LagerkücheLagerküche
Eingeschränkt (Kühlung): Rumpolt überliefert nur eine Zeile, braten, auskühlen lassen, mit Weichselsauce begießen; Mengen, Garzeit und die Zubereitung der Sauce fehlen. Die frischen Vögel müssen bis zum Braten und nach dem Auskühlen gekühlt bleiben, und Krammetsvögel sind im Handel nicht üblich.
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Stand dieser Fassung: 09.10.2026. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.