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Saiblinge in weißer Sauce mit Limonien

Ein new Kochbuch/ Das ist Ein gruͤndtliche beschreibung wie man recht vnd wol ... allerley Speiß ... auff Teutsche/ Vngerische/ Hispanische/ Jtalianische vnnd Frantzoͤsische weiß/ kochen vnd zubereiten solle · Frankfurt am Main · 1581

FischHauptspeise · FischLagerkücheLagerküche-tauglichMittelKorrekturBearbeitungsstand 9/10
BuchEin new Kochbuch (~1581)

Auch auf diese Art weiß in einer Sauce gegart, mit Limonien und säuerlich, ist es gut und wohlschmeckend.

OriginalModernMengenangabeWo kaufenAlternative
(erschlossen) Sälmling (aus der Kapitelüberschrift „Von Saͤlmling seind zwoͤlfferley Speiß vnd Trachten zu machen“) - Fischhändler -
Limonien Limonien - - -

Welches Gericht ist das? Kein ausgeschriebenes Rezept, sondern eine Variantenzeile: Saiblinge, weiß in einer Sauce gegart, mit Zitronen und säuerlich. Zutatenmengen, Brühe, Bindung, Gewürze und Garzeit stehen nicht hier.

Auf welche Art? „Auch auff diese manier“ zeigt zurück, ohne die Nummer zu nennen. Am wahrscheinlichsten ist Nr. 7 gemeint, die gelbe ungarische Fassung mit Limonien (rum-0938); dort stehen wie hier das Garen in der Sauce und die Zitronen. Die unmittelbar vorangehende Nr. 8 (rum-0939) ist ein blau abgesottener Saibling mit Erbsbrühe-Butter-Sauce, ganz ohne Zitronen, und passt deshalb schlechter.

Weiß. Die Zeile nennt nur die Farbe. In der Reihe des Kapitels steht sie zwischen gelb (Nr. 7) und schwarz mit Karpfenblut (Nr. 11, rum-0942). Ein Farbmittel oder eine Bindung lässt sich daraus nicht ableiten.

Limonien. Gemeint sind Zitronen. Ob frisch oder gesalzen, sagt die Zeile nicht. „Säuerlich“ kommt hier allein von den Zitronen; weitere Säure nennt der Text nicht.

Praxis. Nach dieser Zeile allein lässt sich nicht kochen. Die naheliegende Umsetzung ist ein Saibling in einer hellen, mit Zitrone säuerlich abgeschmeckten Sauce. Wer der gelben ungarischen Fassung beim Hausen (rum-0863) folgen will, kocht damit eine eigene Ergänzung und sollte das so kennzeichnen.

Ist das ein vollständiges Rezept?

Nein. Die Zeile sagt „Auch auff diese manier“ und verweist damit auf eine vorangehende Nummer des Kapitels. Am nächsten liegt Nr. 7, die Saiblinge gelb auf ungarische Art mit Limonien (rum-0938). Welche Nummer Rumpolt genau meint, sagt der Text nicht.

Heißt „eyngemacht“ hier eingemacht wie im Glas?

Nein. Bei Fisch meint Rumpolt damit das Garen in einer Sauce.

Was bedeutet „weiß“?

Eine helle Sauce, im Gegensatz zur gelben Fassung Nr. 7 und zur schwarzen Nr. 11 mit Karpfenblut (rum-0942). Woraus sie besteht und womit sie gebunden wird, sagt die Zeile nicht.

Sind „Sälmling“ wirklich Saiblinge?

Wahrscheinlich, aber nicht sicher. Das Frühneuhochdeutsche Wörterbuch nennt einen kleinen Lachs oder lachsähnlichen Fisch, wohl auch speziell den Saibling; am Rhein hieß so auch der einjährige Lachs. Wir übersetzen im ganzen Kapitel mit Saibling.

Ist dieses Rezept für die Lagerküche geeignet?

Eingeschränkt. Frischer Fisch braucht bis zum Garen eine durchgehende Kühlkette. Rumpolt überliefert hier nur eine Kurzform ohne Mengen und Garzeit; ein ausgeführtes Verfahren findet sich bei den Nachbarrezepten.

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus „Ein new Kochbuch“. Kochbuch des kurfürstlich-mainzischen Mundkochs Marx Rumpolt, gedruckt 1581 in Frankfurt am Main: rund 1.300 durchnummerierte Rezepte in 91 Kapiteln, geordnet nach Tierarten und Zutaten, dazu Bankett- und Hofämter-Ordnungen für die fürstliche Tafel.

9. Auch auff diese manier weiß eyngemacht mit Limonien, vnnd saͤurlich, ist es gut vnd wolgeschmack.
Saͤlmling

Ein kleiner Lachs oder lachsähnlicher Fisch, nach dem Frühneuhochdeutschen Wörterbuch wohl auch speziell der Saibling; am Rhein hieß so auch der einjährige Lachs (Grimm). Der Fisch steht nur in der Kapitelüberschrift; wie in den Nachbarrezepten mit Saibling übersetzt.

auff diese manier

„Auf diese Art“: Die Zeile verweist auf eine vorangehende Nummer des Kapitels, ohne sie zu nennen. Am nächsten liegt Nr. 7, die Saiblinge gelb auf ungarische Art mit Limonien (rum-0938).

weiß eyngemacht

In einer hellen Sauce gegart, nicht haltbar gemacht. „Weiß“ steht im Gegensatz zur gelben Fassung Nr. 7 und zur schwarzen Nr. 11 (rum-0942); woraus die Sauce besteht, sagt die Zeile nicht.

Limonien

Zitronen. In den ausgeschriebenen ungarischen Fischrezepten Rumpolts sind es gesalzene Zitronen; diese Zeile sagt nur „Limonien“.

Druck
Ein new Kochbuch/ Das ist Ein gruͤndtliche beschreibung wie man recht vnd wol ... allerley Speiß ... auff Teutsche/ Vngerische/ Hispanische/ Jtalianische vnnd Frantzoͤsische weiß/ kochen vnd zubereiten solle
Teil
Vom Saibling
Sprache
Frühneuhochdeutsch (Frankfurter Druckersprache mit oberdeutscher Schreibung, südwestdeutsch/rhein-mainischer Küchenwortschatz, 1581)
Entstehung
Frankfurt am Main, 1581

Normdaten der Zutaten

Zuordnung der historischen Zutatennamen zu Wikidata-Konzepten, auf Grundlage des CoReMA-Zutatenindex. Mehrere Konzepte bedeuten: die Lesart ist nicht entschieden.

Limonienlemon Q1093742

Lesarten

Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.

LesartSaͤlmling (Kapiteltier)

Gewählte Lesart: Saibling. Die Zeile steht im Kapitel „Von Sälmling seind zwölfferley Speiß vnd Trachten zu machen“. Das Frühneuhochdeutsche Wörterbuch erklärt sälmling als kleinen Lachs oder lachsähnlichen Fisch, wohl auch speziell den Saibling. Wie im ganzen Kapitel lesen wir Saibling.

Andere mögliche Lesart:

  • Junger, einjähriger Lachs - Ebenfalls belegt: Das Grimmsche Wörterbuch nennt am Rhein den einjährigen Lachs sälmling. Die Zeile selbst entscheidet das nicht.

Lesartauff diese manier

Gewählte Lesart: Verweis auf Nr. 7 des Kapitels, die Saiblinge gelb auf ungarische Art mit Limonien (rum-0938). Nur dort stehen wie hier eynmachen und Limonien zusammen; die Nr. 11 (rum-0942, schwarz mit Karpfenblut und Limonien) setzt dieselbe Reihe fort. Wahrscheinlich, aber nicht beweisbar: Die Zeile nennt weder die Nummer noch „auff Vngerisch“.

Andere mögliche Lesart:

  • Verweis auf die unmittelbar vorangehende Nr. 8, Saibling in Cassenadt (rum-0939) - Formal das nächstliegende „diese“. Dort ist der Fisch aber blau abgesotten und mit einer Erbsbrühe-Butter-Sauce übergossen, Limonien kommen nicht vor.

Lesartweiß eyngemacht

Gewählte Lesart: Die Zeile sagt nur „weiß“, im Gegensatz zu gelb (Nr. 7) und schwarz (Nr. 11). Bindung, Brühe und Gewürze nennt sie nicht; diese Lücke füllen wir nicht auf.

Andere mögliche Lesarten:

  • Für die Praxis: in einer hellen Sauce gegart - Die naheliegende Umsetzung, so steht es in der Übersetzung. Woraus die helle Sauce besteht, bleibt offen.
  • Die gelbe ungarische Fassung ohne färbendes Gewürz - Würde den Verweis auf Nr. 7 wörtlich nehmen und nur die Farbe tauschen. Die Zeile sagt das nicht; deshalb nur als Möglichkeit.
  • Mit einem Mandel- oder Äpfelgescharb - Bei den geräucherten Hirschzungen (rum-0294) nennt Rumpolt „ein Mandel oder Epffelgescharb/ gelb oder weiß eyngemacht mit Limonien“. Das zeigt, dass „weiß mit Limonien“ bei ihm eine feste Variante ist, belegt aber nicht, dass sie hier gemeint ist.

LesartLimonien

Gewählte Lesart: Zitronen. Die Zeile sagt nur „Limonien“, nicht „gesaltzen“.

Andere mögliche Lesart:

  • Gesalzene Zitronen - So in den ausgeschriebenen ungarischen Fischrezepten beim Hausen und bei den Forellen. Gilt nur, wenn der Verweis auf die ungarische Fassung zutrifft.

Originalwerk (~1581) gemeinfrei.

Bildquelle
Bl. CIIIb, Staatsbibliothek zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz, PPN824825497 Quelle öffnen
Transkription
Deutsches Textarchiv (DTA), Transkription Justus-Liebig-Universität Gießen 2013 Link öffnen
Übersetzung & Anmerkungen
CC BY-SA 4.0 fyndling.de
Permalink
https://w3id.org/fyndling/rum-0940
LagerkücheLagerküche
Eingeschränkt: Frischer Fisch als Hauptzutat braucht bis zum Garen eine durchgehende Kühlkette. Überliefert ist hier nur eine Kurzform ohne Mengen und Garzeit; ein ausgeführtes Verfahren steht bei den Nachbarrezepten des Kapitels.
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Stand dieser Fassung: 11.10.2026. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.