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Priseindel vom Karpfen

Ein new Kochbuch/ Das ist Ein gruͤndtliche beschreibung wie man recht vnd wol ... allerley Speiß ... auff Teutsche/ Vngerische/ Hispanische/ Jtalianische vnnd Frantzoͤsische weiß/ kochen vnd zubereiten solle · Frankfurt am Main · 1581

FischHauptspeise · FischLagerkücheLagerküche-tauglichMittelKorrekturBearbeitungsstand 8/10
BuchEin new Kochbuch (~1581)

Auch Priseindel vom Karpfen.

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Karpffen Karpffen - Fischhändler, gut sortierter Supermarkt -

Welches Gericht ist das? Die Nummer besteht nur aus der Überschrift: Rumpolt nennt im Kapitel vom Karpfen als dreiundzwanzigste Speise das Priseindel, sagt aber nicht, wie es hier gemacht wird. Wie Priseindel geht, beschreibt er an anderen Stellen selbst, und zwar nur für Fleisch: dünn geschnitten, mit dem Messerrücken geklopft, in Essig gelegt, in Butter geröstet und mit Essig, Brühe, Gewürz und grünen Kräutern kurz eingesotten (Ochse, rum-0049; Kalb, rum-0128; Gams, rum-0463; Kapaun, rum-0660).

Gilt das Verfahren auch für den Karpfen? Der Text sagt es nicht, und für Fisch gibt Rumpolt keine eigene Beschreibung, weder beim Karpfen noch bei Lachs (rum-0915) oder Hecht (rum-0991). Die Übertragung ist also nicht selbstverständlich. Wir geben deshalb keine Zubereitung an.

Auch. Das Wort am Zeilenanfang reiht die Speise nur in die Liste ein; es verweist nicht auf das vorangehende Hattele.

Praxis. Für diese Nummer ergänzen wir nichts; die Zeile bleibt, wie sie im Druck steht. Wer das Verfahren nachlesen will, findet es bei der Gams (rum-0463) und beim Kapaun (rum-0660), beides Fleischgerichte. Frischer Karpfen braucht eine geschlossene Kühlkette.

Warum ist der Eintrag so kurz?

Rumpolt nennt zu dieser Nummer nur die Überschrift. Das Verfahren beschreibt er an anderen Tieren, ausführlich bei der Gams (rum-0463) und beim Kapaun (rum-0660). Ob er es beim Karpfen genauso gemeint hat, sagt er nicht; wir ergänzen deshalb für diese Nummer nichts.

Was ist Priseindel?

Ein Gericht aus dünnen, mit dem Messerrücken geklopften Fleischscheiben, die in Essig gelegt, in Butter geröstet und mit Essig, Brühe, Gewürz und grünen Kräutern kurz eingesotten werden. So beschreibt es Rumpolt beim Ochsen, beim Kalb, bei der Gams und beim Kapaun. Eine eigene Beschreibung für Fisch gibt es nicht.

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus „Ein new Kochbuch“. Kochbuch des kurfürstlich-mainzischen Mundkochs Marx Rumpolt, gedruckt 1581 in Frankfurt am Main: rund 1.300 durchnummerierte Rezepte in 91 Kapiteln, geordnet nach Tierarten und Zutaten, dazu Bankett- und Hofämter-Ordnungen für die fürstliche Tafel.

23. Auch Priseindel vom Karpffen.
Priseindel

Gerichtsname, bei Rumpolt auch Preseindel geschrieben. Rumpolt beschreibt die Speise selbst: dünne, mit dem Messerrücken geklopfte Fleischscheiben, in Essig gelegt, in Butter geröstet und mit Essig, Brühe, Gewürz und grünen Kräutern kurz eingesotten (Ochse, rum-0049; Kalb, rum-0128; Gams, rum-0463; Kapaun, rum-0660). Bei der Gams heißt es: „Die Speiß nennt man Priseindel“. Für Fisch beschreibt er das Verfahren nirgends, auch nicht beim Karpfen. Ein Wörterbucheintrag zum Wort ließ sich nicht finden; eine Herkunft des Namens wird hier deshalb nicht behauptet.

Druck
Ein new Kochbuch/ Das ist Ein gruͤndtliche beschreibung wie man recht vnd wol ... allerley Speiß ... auff Teutsche/ Vngerische/ Hispanische/ Jtalianische vnnd Frantzoͤsische weiß/ kochen vnd zubereiten solle
Teil
Vom Karpfen
Sprache
Frühneuhochdeutsch (Frankfurter Druckersprache mit oberdeutscher Schreibung, südwestdeutsch/rhein-mainischer Küchenwortschatz, 1581)
Entstehung
Frankfurt am Main, 1581

Normdaten der Zutaten

Zuordnung der historischen Zutatennamen zu Wikidata-Konzepten, auf Grundlage des CoReMA-Zutatenindex. Mehrere Konzepte bedeuten: die Lesart ist nicht entschieden.

Karpffencarp Q83355448

Lesarten

Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.

LesartPriseindel

Gewählte Lesart: Druckform als Gerichtsname behalten. Gemeint ist nach Rumpolts eigener Beschreibung ein Gericht aus dünn geschnittenen, geklopften, in Essig gelegten und in Butter gerösteten Scheiben in kurzer Essig-Kräuter-Brühe (rum-0463: „Die Speiß nennt man Priseindel“). Die Schreibung Preseindel in rum-0049 und rum-0128 meint dasselbe Wort. Die Herkunft des Wortes bleibt offen.

Andere mögliche Lesart:

  • Ein Teilstück des Tieres statt einer Zubereitungsart. - Widerlegt durch rum-0463, wo Rumpolt die ganze Zubereitung beschreibt und sie „Priseindel“ nennt; das Wort steht zudem bei Rind, Kalb, Wild, Geflügel und Fisch, also nicht für ein bestimmtes Stück.

LesartPriseindel vom Karpfen: Verfahren

Gewählte Lesart: Historisch naheliegend ist, dass der Karpfen wie bei den Fleischsorten in dünnen Stücken in Essig gelegt, in Butter geröstet und mit Essig, Brühe und grünen Kräutern kurz eingesotten gemeint ist, weil Rumpolt den Namen sonst nur für dieses Verfahren gebraucht. Der Druck sagt es für den Karpfen nicht; deshalb steht es nur als Lesart, nicht als Anleitung.

Andere mögliche Lesart:

  • Für die Praxis offen lassen: keine Zubereitung angeben, nur Verweis auf Rumpolts Beschreibung bei der Gams (rum-0463) und beim Kapaun (rum-0660), ohne Übertragung auf den Karpfen. - So im Rezept umgesetzt, weil für Fisch keine Beschreibung überliefert ist und eine abweichende Zubereitung beim Fisch nicht ausgeschlossen werden kann.

LesartAuch

Gewählte Lesart: Bloße Reihungspartikel in der Liste der Speisen Nr. 21 bis 25 am Kapitelende; sie wird wörtlich übernommen und nicht gedeutet.

Andere mögliche Lesart:

  • Rückverweis auf die vorangehende Speise Nr. 22 (Hattele vom Karpfen, rum-1042), also „auf dieselbe Art“. - Nicht belegt: Nr. 22 ist ein anderes Gericht, und ein Priseindel geht im Kapitel nicht voraus. Auch die gleich gebaute Zeile beim Lachs (rum-0915) beginnt mit „Auch“, ohne auf ein Vorrezept zu verweisen.

Originalwerk (~1581) gemeinfrei.

Bildquelle
Bl. CXIIIIb, Staatsbibliothek zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz, PPN824825497 Quelle öffnen
Transkription
Deutsches Textarchiv (DTA), Transkription Justus-Liebig-Universität Gießen 2013 Link öffnen
Übersetzung & Anmerkungen
CC BY-SA 4.0 fyndling.de
Permalink
https://w3id.org/fyndling/rum-1043
LagerkücheLagerküche
Eingeschränkt: Frischer Karpfen als Hauptzutat braucht bis zum Garen eine durchgehende Kühlkette. Überliefert ist nur die Überschrift ohne Zutaten, Mengen und Garzeit; ein ausgeführtes Priseindel-Verfahren steht nur bei Fleischgerichten (Gams, Kapaun).
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Stand dieser Fassung: 12.10.2026. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.