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Kleine Pasteten aus Krebsgehack

Ein new Kochbuch/ Das ist Ein gruͤndtliche beschreibung wie man recht vnd wol ... allerley Speiß ... auff Teutsche/ Vngerische/ Hispanische/ Jtalianische vnnd Frantzoͤsische weiß/ kochen vnd zubereiten solle · Frankfurt am Main · 1581

FischHauptspeise · FischLagerkücheLagerküche-tauglichLesartViel InterpretationsspielraumMittelKorrekturBearbeitungsstand 8/10
Zubereitungszeitca. 75 Min. KüchenzeitBuchEin new Kochbuch (~1581)

Aus einem solchen Gehack kannst du auch kleine Pasteten machen, etwa einen Finger hoch. Sie werden dann gut und wohlschmeckend. Sie brauchen nicht lange zu backen, denn die Füllung, die hineingehört, ist bereits gekocht und zubereitet.

OriginalModernMengenangabeWo kaufenAlternative
solchen Gehack Gehack - Selbst herstellen nach rum-1209; gekochte, geschälte Flusskrebsschwänze beim Fischhändler -
(erschlossen) Pasteten - - -

Welches Gericht ist das? Kleine, etwa fingerhohe Pasteten, gefüllt mit dem Krebsgehack aus Nr. 19 (rum-1209). Rumpolt beschreibt nur die Verwendung: Die fertige Füllung kommt in kleine Teighüllen und wird kurz gebacken. Heute erinnert das an kleine Krebspastetchen.

Das Gehack. Die Füllung wird zuerst nach Nr. 19 zubereitet: gekochte, geschälte Krebse mit grünen Kräutern fein hacken, pfeffern und gelb färben, mit Wein, Butter und kleinen schwarzen Rosinen gesüßt aufkochen und mit Eigelb binden, bis die Masse dick ist. Vor dem Einfüllen lässt man sie heute abkühlen, damit der Teig nicht durchweicht; das ist moderne Praxis, kein Textinhalt.

Der Teig. Rumpolt nennt hier keinen Teig. Ausgeführt ist im Krebskapitel nur der Teig der Englischen Krebspastete aus Mehl, Eigelb und frischer Butter, einen halben Finger dick ausgerollt; er bietet sich als Anhalt an. Für kleine Pasteten dünn ausrollen, kleine Hüllen formen, füllen und schließen.

Backen. Weil die Füllung schon gar ist, muss nur der Teig durchbacken und Farbe nehmen. Gerät, Hitze und Zeit nennt der Text nicht. Im Haushaltsofen bei mittlerer Hitze backen, bis der Teig goldbraun ist; das ist eine Schätzung.

Praxis. Mengen nennt Rumpolt nicht. Die Zubereitungszeit von etwa 75 Minuten ist eine Schätzung, der Text gibt keine Zeit an: etwa 30 Minuten für das Gehack, 15 für den Teig, 10 für das Formen und 20 für das Backen, mit bereits gekochten und ausgelösten Krebsen.

Welches „Gehack“ ist gemeint?

Nach dem Zusammenhang das Krebsgehack der unmittelbar vorangehenden Nummer (rum-1209): gekochte Krebse, mit Kräutern fein gehackt, mit Wein, Butter und Rosinen gesüßt aufgekocht und mit Eigelb gebunden. Rumpolt nennt die Nummer nicht, aber nur dort wird eine Krebsmasse vorher gekocht und gehackt.

Sind die Pasteten süß oder herzhaft?

Süß-würzig: Das Gehack aus Nr. 19 wird gepfeffert, mit Kräutern gehackt, mit Rosinen versetzt und gesüßt.

Warum müssen sie nicht lange backen?

Rumpolt begründet es selbst: Die Füllung ist schon gekocht und zubereitet. Gebacken werden muss vor allem der Teig.

Was bedeutet „eines Fingers hoch“?

Ein Fingermaß für die Höhe der kleinen Pasteten. In Zentimetern sind das geschätzt etwa 2 cm; der Text gibt kein genaueres Maß.

Ist das Rezept für die Lagerküche geeignet?

Eingeschränkt. Das Krebsfleisch braucht bis zum Kochen eine Kühlkette, und das Gehack muss vorher nach Nr. 19 zubereitet werden. Für die Pasteten selbst braucht es einen Teig und eine Backgelegenheit; wie gebacken wird, sagt der Text nicht.

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus „Ein new Kochbuch“. Kochbuch des kurfürstlich-mainzischen Mundkochs Marx Rumpolt, gedruckt 1581 in Frankfurt am Main: rund 1.300 durchnummerierte Rezepte in 91 Kapiteln, geordnet nach Tierarten und Zutaten, dazu Bankett- und Hofämter-Ordnungen für die fürstliche Tafel.

20. Auß einem solchen Gehack kanstu auch kleine Pasteten machen, etwan eines Fingers hoch, so werden sie gut vnd wolgeschmack, vnd sie doͤrffen nicht lang backen, denn die Fuͤll, die darein gehoͤrt, ist vorhin gekocht vnd zugericht.
Gehack

Klein Gehacktes, kein rohes Hackfleisch. Gemeint ist die Krebsmasse aus der vorangehenden Nummer (rum-1209): gekochte, geschälte Krebse, mit grünen Kräutern fein gehackt, mit Wein, Butter und kleinen schwarzen Rosinen gesüßt aufgekocht und mit Eigelb gebunden.

Pasteten

Eine gebackene Teighülle um eine Füllung, hier in kleiner Form. Den Teig beschreibt Rumpolt an dieser Stelle nicht; ausgeführt ist er im Krebskapitel nur bei der Englischen Krebspastete.

eines Fingers hoch

Ein Fingermaß für die Höhe der kleinen Pasteten. Eine genauere Angabe macht der Text nicht.

doͤrffen

„Brauchen“: „sie dörffen nicht lang backen“ heißt „sie brauchen nicht lange zu backen“.

vorhin gekocht vnd zugericht

Bereits gekocht und angemacht. In Nr. 19 wird das Gehack aufgekocht und mit Eigelb gebunden; beim Backen muss deshalb vor allem der Teig gar werden.

Druck
Ein new Kochbuch/ Das ist Ein gruͤndtliche beschreibung wie man recht vnd wol ... allerley Speiß ... auff Teutsche/ Vngerische/ Hispanische/ Jtalianische vnnd Frantzoͤsische weiß/ kochen vnd zubereiten solle
Teil
Von Krebsen
Sprache
Frühneuhochdeutsch (Frankfurter Druckersprache mit oberdeutscher Schreibung, südwestdeutsch/rhein-mainischer Küchenwortschatz, 1581)
Entstehung
Frankfurt am Main, 1581

Lesarten

Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.

Lesartsolchen Gehack

Gewählte Lesart: Das Krebsgehack der unmittelbar vorangehenden Nr. 19 (rum-1209). Dort steht „hack sie fein klein“, und die Masse wird aufgekocht und gebunden, ist also „vorhin gekocht vnd zugericht“. Die folgende Nr. 21 (rum-1211) verweist mit derselben Formel „auß einem solchen Gehack“ auf dieselbe Masse. Eine Nummer nennt der Text nicht.

Andere mögliche Lesart:

  • Eine andere gehackte Krebsfüllung des Kapitels, etwa Nr. 4 (rum-1195, mit Petersilie, geriebenem Weck und Eigelb) oder Nr. 8 (rum-1198) - Auch dort wird Krebsfleisch klein gehackt. Diese Füllungen werden aber roh in Schalen oder Kuchen gebacken, nicht vorher gekocht; „solchen“ schließt bei Rumpolt sonst an die unmittelbar vorangehende Nummer an.

LesartPasteten (Teig)

Gewählte Lesart: Der Text nennt keinen Teig; Rumpolt setzt einen Pastetenteig als bekannt voraus.

Andere mögliche Lesart:

  • Teig nach der Englischen Krebspastete (rum-1205): Mehl, Eigelb und frische Butter, einen halben Finger dick ausgerollt - Der einzige im Krebskapitel ausgeführte Teig. Das ist ein Anhalt aus dem Kapitel, nicht Text von Nr. 20.

Lesartbacken

Gewählte Lesart: Der Text sagt nur „backen“, ohne Gerät, Hitze oder Zeit. In der gleichlautenden Formel bei den Pastetchen aus Hühnerbrust (rum-0699) schreibt Rumpolt „nicht lange backen im Ofen“; im Krebskapitel backt er außerdem in der Tortenpfanne mit Hitze von unten und oben (rum-1199).

Andere mögliche Lesart:

  • Moderne Praxis: im Backofen bei mittlerer Hitze, bis der Teig durchgebacken und gebräunt ist - Entspricht dem Ofen der Parallelstelle; Temperatur und Zeit sind Schätzungen, der Text nennt keine.

Lesarteines Fingers hoch

Gewählte Lesart: Fingermaß für die Höhe der Pasteten, wörtlich wiedergegeben als „einen Finger hoch“.

Andere mögliche Lesart:

  • Etwa 2 cm, nach der Breite eines Fingers - Schätzung für die Praxis; ob Rumpolt Fingerbreite oder Fingerglied meint, sagt der Text nicht.

Originalwerk (~1581) gemeinfrei.

Bildquelle
Bl. CXXVIIIa, Staatsbibliothek zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz, PPN824825497 Quelle öffnen
Transkription
Deutsches Textarchiv (DTA), Transkription Justus-Liebig-Universität Gießen 2013 Link öffnen
Übersetzung & Anmerkungen
CC BY-SA 4.0 fyndling.de
Permalink
https://w3id.org/fyndling/rum-1210
LagerkücheLagerküche
Eingeschränkt: Die Füllung ist frisches Krebsfleisch und braucht bis zum Kochen eine Kühlkette, dazu kommen Butter und Eigelb. Das Gehack wird vorher nach [rum-1209](/rezepte/rum-1209/) gekocht und gebunden. Für die Pasteten braucht es außerdem einen Teig und eine Backgelegenheit; beides nennt der Text nicht.
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Stand dieser Fassung: 14.10.2026. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.