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Spanische Krapfen aus vielen Teigblättern mit Krebsgehack

Ein new Kochbuch/ Das ist Ein gruͤndtliche beschreibung wie man recht vnd wol ... allerley Speiß ... auff Teutsche/ Vngerische/ Hispanische/ Jtalianische vnnd Frantzoͤsische weiß/ kochen vnd zubereiten solle · Frankfurt am Main · 1581

FischHauptspeise · FischLagerkücheLagerküche-tauglichLesartViel InterpretationsspielraumAufwändigKorrekturBearbeitungsstand 8/10
BuchEin new Kochbuch (~1581)

Du kannst aus einem solchen Gehack Spanische Krapfen machen mit vielen Blättern, wie zuvor vermeldet ist.

OriginalModernMengenangabeWo kaufenAlternative
Gehack ein solches Gehack (das Krebsgehack der vorigen Nummern, rum-1209) - - -
viel Blettern viele Teigblätter - - Filoteig als moderne Annäherung

Welches Gericht ist das? Gefüllte Krapfen aus vielen dünnen Teigblättern mit Krebsgehack. Die Nummer gibt nur diesen einen Satz; Füllung und Verfahren stehen an anderen Stellen des Buchs. Das Gehack ist das süße Krebsgehack zwei Nummern vorher (rum-1209), wie man Spanische Krapfen aus vielen Blättern macht, beschreibt Rumpolt bei den Krapfen mit Ochsenmark (rum-0062) und in der Fassung mit Fischgehack (rum-1242).

Die Füllung. Für das Gehack in rum-1209 werden gekochte, geschälte Krebse mit grünen Kräutern fein gehackt, mit Pfeffer, Safran, etwas Wein, Butter und Rosinen gesüßt aufgekocht und mit Eidottern dick gebunden. Es ist also schon gar, wenn es in den Teig kommt; das sagt Rumpolt auch bei den Pasteten aus demselben Gehack (rum-1210). Damit die dünnen Blätter nicht durchweichen, sollte es dick und abgekühlt sein.

Die Blätter. In rum-0062 wird ein Teig aus Mehl, warmem Wasser und wenig Salz eine bis anderthalb Stunden gearbeitet, bis er sich von Tisch und Händen löst, dann papierdünn ausgezogen, zu zwanzig oder dreißig Blättern. Jedes Blatt wird einzeln gefettet, alle werden aufeinandergelegt. In rum-1242 werden die gebutterten Blätter danach noch einmal mit dem Nudelholz ausgetrieben, damit sie noch dünner werden. Das Fett zwischen den Lagen hält sie getrennt, sodass sie beim Backen „voneinander“ in die Höhe gehen (rum-1242). Das ist eher ein Strudelteig als heutiger Blätterteig.

Praxis. Die gebutterten, aufeinandergelegten Teigblätter auslegen, das abgekühlte Krebsgehack portionsweise daraufsetzen, den Teig darüberschlagen, gut zusammendrücken und rund ausschneiden. Auf ein mit Öl bestrichenes Backpapier setzen, mit frischer Butter bestreichen und bei mittlerer Hitze im Ofen backen, bis die Blätter aufgegangen und goldgelb sind; Zeit und Temperatur nennt Rumpolt nicht, er mahnt nur, dabeizubleiben, damit nichts verbrennt. Zum Anrichten mit weißem Zucker bestreuen. Wer den Teig nicht selbst ausziehen will, nimmt Filoteig.

Wie macht man diese Krapfen?

Rumpolt verweist hier auf ein früher beschriebenes Verfahren. Bei den Spanischen Krapfen mit Ochsenmark (rum-0062) zieht er einen lange gearbeiteten Teig aus Mehl, warmem Wasser und Salz papierdünn zu zwanzig oder dreißig Blättern aus, fettet jedes Blatt, legt sie aufeinander, schlägt die Füllung ein, schneidet die Krapfen ab und backt sie im Ofen. In der Fassung mit Fischgehack (rum-1242) werden die Blätter mit Butter bestrichen und die Krapfen auf geöltem Papier gebacken und mit Zucker bestreut.

Welches Krebsgehack ist gemeint?

Am wahrscheinlichsten das süße Krebsgehack der Nummer 19 (rum-1209) mit Kräutern, Wein, Butter, Rosinen und Eidottern. Die Nummern 20 bis 22 schließen mit „einem solchen Gehack“ direkt daran an. Ausdrücklich festgelegt ist es im Text nicht.

Sind das Krapfen wie vom Bäcker?

Nein. Rumpolts Spanische Krapfen sind gefüllte Gebäckstücke aus vielen hauchdünnen, gefetteten Teigblättern, die im Ofen gebacken werden (rum-0062, rum-1242). Mit dem heutigen in Fett ausgebackenen Hefekrapfen haben sie nur den Namen gemeinsam.

Ist dieses Rezept für die Lagerküche / das Mittelaltermarkt-Lager geeignet?

Eingeschränkt. Es ist ein Verweisrezept, die Zubereitung steht beim Krebsgehack (rum-1209) und bei den Spanischen Krapfen mit Ochsenmark (rum-0062) und wird von dort übernommen. Frische Krebse brauchen bis zum Kochen eine Kühlkette, und die dünnen Teigblätter brauchen Platz zum Ausziehen und einen Ofen oder ein Backgerät mit Hitze von oben und unten.

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus „Ein new Kochbuch“. Kochbuch des kurfürstlich-mainzischen Mundkochs Marx Rumpolt, gedruckt 1581 in Frankfurt am Main: rund 1.300 durchnummerierte Rezepte in 91 Kapiteln, geordnet nach Tierarten und Zutaten, dazu Bankett- und Hofämter-Ordnungen für die fürstliche Tafel.

21. Du kanst auß einem solchen Gehack, Spanische Krapffen machen mit viel Blettern, wie zuvor vermeldt ist.
Gehack

Kleingehacktes. Gemeint ist das süße Krebsgehack der Nummer 19 (rum-1209): gekochte, geschälte Krebse, mit Kräutern fein gehackt, mit Wein, Butter und Rosinen aufgekocht und mit Eidottern gebunden. Die Nummer 20 (rum-1210) knüpft mit denselben Worten „Auß einem solchen Gehack“ daran an.

Spanische Krapffen

Bei Rumpolt eine eigene Gebäckart neben Torte und Pastete: gefüllte Stücke aus vielen gefetteten Teigblättern, die im Ofen gebacken werden, nicht in Fett ausgebacken (rum-0062, rum-1242). „Spanisch“ erklärt er nicht.

viel Blettern

Teigblätter. Bei den Spanischen Krapfen mit Ochsenmark macht Rumpolt „solcher blat zwentzig oder dreyssig“, den Teig „so duͤnn wie ein Papier“ ausgezogen (rum-0062); bei den Krapfen mit Fischgehack „ein Blat oder zwentzig“ (rum-1242). Dieselbe Wendung steht bei den Torten rum-1819 und rum-1820.

wie zuvor vermeldt ist

Rückverweis auf eine frühere Beschreibung der Spanischen Krapfen. Im Krebskapitel selbst steht kein Krapfenverfahren; ausgeführt ist es vorher bei den Krapfen mit Ochsenmark (rum-0062).

Druck
Ein new Kochbuch/ Das ist Ein gruͤndtliche beschreibung wie man recht vnd wol ... allerley Speiß ... auff Teutsche/ Vngerische/ Hispanische/ Jtalianische vnnd Frantzoͤsische weiß/ kochen vnd zubereiten solle
Teil
Von Krebsen
Sprache
Frühneuhochdeutsch (Frankfurter Druckersprache mit oberdeutscher Schreibung, südwestdeutsch/rhein-mainischer Küchenwortschatz, 1581)
Entstehung
Frankfurt am Main, 1581

Lesarten

Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.

Lesarteinem solchen Gehack

Gewählte Lesart: Das süße Krebsgehack der Nummer 19 (rum-1209). Es ist das nächste Gehack vor dieser Nummer, und die Nummer 20 (rum-1210) beginnt mit derselben Formel „Auß einem solchen Gehack“, die drei Nummern bilden eine Reihe.

Andere mögliche Lesart:

  • Herzhaftes Krebsgehack mit Petersilie, geriebenem Weck, Pfeffer und Safran wie bei den gefüllten Krebsschalen (rum-1195) - Ebenfalls ein Krebsgehack im selben Kapitel, aber viele Nummern früher. Der Wortlaut legt das Gehack nicht ausdrücklich fest; als Füllung wäre es ebenso möglich.

Lesartviel Blettern

Gewählte Lesart: Viele papierdünn ausgezogene, einzeln gefettete Teigblätter, wie Rumpolt sie für die Spanischen Krapfen in rum-0062 („solcher blat zwentzig oder dreyssig“) und rum-1242 beschreibt.

Andere mögliche Lesart:

  • Kräuter- oder Pflanzenblätter - Wörtlich möglich, aber Rumpolt gebraucht „viel Blettern“ bei Spanischen Krapfen und Torten durchgehend für Teigblätter (rum-0062, rum-0914, rum-1819, rum-1820, rum-1825).

LesartFett zwischen den Teigblättern

Gewählte Lesart: Fein zerlassener, frischer, ungesalzener Speck, mit dem bei den Spanischen Krapfen mit Ochsenmark jedes Blatt einzeln bestrichen wird (rum-0062), dem im Buch vorher ausgeführten Verfahren, auf das „wie zuvor vermeldt ist“ zielt. Die Nummer selbst nennt kein Fett.

Andere mögliche Lesart:

  • Butter - So in der Fassung mit Fischgehack (rum-1242), die der Krebsfüllung am nächsten steht; diese Lesart liegt der Praxis zugrunde.

Originalwerk (~1581) gemeinfrei.

Bildquelle
Bl. CXXVIIIa, Staatsbibliothek zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz, PPN824825497 Quelle öffnen
Transkription
Deutsches Textarchiv (DTA), Transkription Justus-Liebig-Universität Gießen 2013 Link öffnen
Übersetzung & Anmerkungen
CC BY-SA 4.0 fyndling.de
Permalink
https://w3id.org/fyndling/rum-1211
LagerkücheLagerküche
Eingeschränkt: Verweisrezept, die Zubereitung steht beim süßen Krebsgehack (rum-1209) und bei den Spanischen Krapfen mit Ochsenmark (rum-0062) und wird von dort übernommen. Frische Krebse brauchen bis zum Kochen eine Kühlkette. Die vielen dünn ausgezogenen Teigblätter brauchen Platz zum Ausziehen und einen Ofen oder ein Backgerät mit Hitze von oben und unten.
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Stand dieser Fassung: 14.10.2026. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.