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Spanische Krapfen aus vielen Teigblättern mit Blancmanger

Ein new Kochbuch/ Das ist Ein gruͤndtliche beschreibung wie man recht vnd wol ... allerley Speiß ... auff Teutsche/ Vngerische/ Hispanische/ Jtalianische vnnd Frantzoͤsische weiß/ kochen vnd zubereiten solle · Frankfurt am Main · 1581

LagerkücheLagerküche-tauglichLesartViel InterpretationsspielraumAufwändigKorrekturBearbeitungsstand 9/10
BuchEin new Kochbuch (~1581)

Spanische Krapfen mit vielen Blättern von Blancmanger.

OriginalModernMengenangabeWo kaufenAlternative
Manscho Blancko Blancmanger (Manscho Blancko) - - -
viel Blettern viele Teigblätter - - Filoteig als moderne Annäherung

Welches Gericht ist das? Gefüllte Krapfen aus vielen dünnen Teigblättern mit Blancmanger, einem weißen Mus aus Geflügelbrust, Reismehl und Rahm. Die Nummer gibt nur diese Überschrift; Verfahren und Füllung stehen an anderen Stellen des Buchs. Wie Spanische Krapfen gemacht werden, beschreibt Rumpolt bei den Krapfen mit Ochsenmark (rum-0062), dieselbe Kombination aus Teigblättern und Blancmanger als Torte in rum-1820.

Die Blätter. In rum-0062 arbeitet Rumpolt einen Teig aus schönem Mehl, warmem Wasser und wenig Salz lange durch, bis er sich vom Tisch löst, zieht ihn papierdünn aus und macht zwanzig oder dreißig Blätter. Jedes wird einzeln mit fein zerlassenem, ungesalzenem Speck bestrichen, dann werden alle aufeinandergelegt. Wie viele Blätter es hier sein sollen, sagt die Nummer nicht.

Die Füllung. Der Blancmanger ist ein eigenes Rezept (rum-0682 vom Kapaun, rum-0534 von der Pute) und muss vorher fertig sein. Abgekühlt und fest weicht er die dünnen Blätter nicht durch. Für Torten treibt Rumpolt ihn mit Eidottern ab (rum-1823); ob er das für Krapfen ebenso meint, bleibt offen.

Krapfen, nicht Torte. Rumpolt stellt Krapfen, Torte und Pastete als verschiedene Formen nebeneinander (rum-0683). Bei den Krapfen wird die Füllung in den aufgetriebenen Teig geschlagen und das Ganze mit einem Rädchen in Stücke abgeschnitten (rum-0062).

Praxis. Den abgekühlten Blancmanger portionsweise auf die gefetteten, aufeinandergelegten Teigblätter setzen, einschlagen und mit dem Teigrädchen abschneiden. Mit Eidotter bestreichen, wie in rum-0062, und im Ofen bei etwa 180 bis 200 Grad Ober- und Unterhitze backen, bis die Blätter goldgelb sind; die Zeit nach Sicht. Rumpolt mahnt dort nur, nichts verbrennen zu lassen. Mit weißem Zucker bestreuen und warm auftragen. Wer den Teig nicht selbst ausziehen will, nimmt Filoteig.

Warum fehlt eine ausführliche Anleitung?

Rumpolt nennt zu dieser Nummer nur die Überschrift. Die Bestandteile beschreibt er an anderer Stelle: die Spanischen Krapfen aus vielen Teigblättern bei den Krapfen mit Ochsenmark (rum-0062), den Blancmanger beim Kapaun (rum-0682) und dieselbe Kombination als Torte in der Nummer 26 desselben Kapitels (rum-1820).

Was ist Blancmanger bei Rumpolt?

Blancmanger ist bei Rumpolt ein weißes Mus aus gezupfter, gekochter Kapaunenbrust, Reismehl, Rahm oder süßer Milch, Zucker und Rosenwasser (rum-0682). Er nennt es „auff Spanisch Manscho Blancko“. Eine Fassung aus Putenbrust steht in rum-0534.

Ist dieses Rezept für die Lagerküche / das Mittelaltermarkt-Lager geeignet?

Eingeschränkt. Die vielen dünnen Teigblätter brauchen Platz zum Ausziehen und einen Ofen oder ein Backgerät mit Hitze von oben und unten. Der Blancmanger ist ein eigenes Gericht aus gekochter Geflügelbrust und muss bis zum Einfüllen kühl stehen.

Sind das Krapfen wie vom Bäcker?

Nein. Rumpolts Spanische Krapfen sind gefüllte Gebäckstücke aus vielen hauchdünnen, gefetteten Teigblättern, die mit einem Rädchen abgeschnitten und im Ofen gebacken werden (rum-0062). Mit dem heutigen in Fett ausgebackenen Hefekrapfen haben sie nur den Namen gemeinsam.

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus „Ein new Kochbuch“. Kochbuch des kurfürstlich-mainzischen Mundkochs Marx Rumpolt, gedruckt 1581 in Frankfurt am Main: rund 1.300 durchnummerierte Rezepte in 91 Kapiteln, geordnet nach Tierarten und Zutaten, dazu Bankett- und Hofämter-Ordnungen für die fürstliche Tafel.

31. Spanische Krapffen mit viel Blettern von Manscho Blancko.
Manscho Blancko

Rumpolts Schreibung für spanisch manjar blanco, den Blancmanger. Er erklärt das Wort beim Kapaun selbst: „man nennets auff Spanisch Manscho Blancko“ (rum-0682). Gemeint ist ein weißes Mus aus gezupfter Geflügelbrust, Reismehl und Rahm oder süßer Milch; eine Fassung aus Putenbrust steht in rum-0534.

Blettern

Teigblätter. Bei den Spanischen Krapfen mit Ochsenmark (rum-0062) zieht Rumpolt einen Teig aus Mehl, warmem Wasser und Salz „so duͤnn wie ein Papier“ aus und macht „zwentzig oder dreyssig“ solcher Blätter, jedes einzeln mit Speck bestrichen. Das ist eher ein Strudelteig als heutiger Blätterteig.

Krapffen

Bei Rumpolt eine eigene Gebäckart neben Torte und Pastete: Aus dem Blancmanger „kanstu machen Spanische Krapffen/ oder Vngerische Turten/ oder Spanische Pasteten“ (rum-0683). Die Spanischen Krapfen in rum-0062 werden im Ofen gebacken, nicht in Fett ausgebacken.

Druck
Ein new Kochbuch/ Das ist Ein gruͤndtliche beschreibung wie man recht vnd wol ... allerley Speiß ... auff Teutsche/ Vngerische/ Hispanische/ Jtalianische vnnd Frantzoͤsische weiß/ kochen vnd zubereiten solle
Teil
Von allerlei Torten
Sprache
Frühneuhochdeutsch (Frankfurter Druckersprache mit oberdeutscher Schreibung, südwestdeutsch/rhein-mainischer Küchenwortschatz, 1581)
Entstehung
Frankfurt am Main, 1581

Lesarten

Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.

Lesartviel Blettern

Gewählte Lesart: Viele schleierdünn ausgezogene, einzeln gefettete Teigblätter, wie sie Rumpolt für die Spanischen Krapfen mit Ochsenmark (rum-0062) und für die Spanische Torte mit Blancmanger (rum-1820) beschreibt. Die Nummer selbst nennt weder Teig noch Blattzahl.

Andere mögliche Lesarten:

  • Blancmanger in blattartigen Lagen - Wörtlich gelesen könnten die Blätter „von Manscho Blancko“ selbst sein. Rumpolt gebraucht „viel Blettern“ aber durchgehend für Teigblätter (rum-0062, rum-1819, rum-1820), und ein weiches Mus lässt sich nicht zu Blättern ausziehen.
  • Fertiger Filoteig - Moderne Annäherung an den handgezogenen Teig, kein historisches Verfahren.

Lesartvon Manscho Blancko

Gewählte Lesart: Der Blancmanger ist die Füllung, die Teigblätter bilden die Hülle. So steht es parallel in rum-1820 („Spanische Turten von einem Manscho Blancko mit viel Blettern“) und in rum-0683, wo aus dem Blancmanger Spanische Krapfen gemacht werden.

Andere mögliche Lesart:

  • Blancmanger mit Eidottern abgetrieben (rum-1823) - Rumpolt nennt diese Fassung „gut zu einer Turten“. Für Krapfen sagt er es nicht; sie macht die Füllung fester und ist darum eine naheliegende Wahl, aber nicht belegt.

LesartSpanische Krapffen

Gewählte Lesart: Gefüllte Gebäckstücke aus vielen gefetteten Teigblättern, mit dem Rädchen abgeschnitten und im Ofen gebacken, nach dem einzigen ausgeführten Verfahren im Buch (rum-0062). Die Druckform „Krapfen“ bleibt im Titel.

Andere mögliche Lesarten:

  • Dasselbe wie die Spanische Torte in rum-1820 - Füllung und Teig sind gleich. Rumpolt stellt Krapfen und Torte aber nebeneinander als verschiedene Formen (rum-0683, rum-0914: „ein Turten darauß gemacht/ oder Spanische Krapffen mit viel Blettern“).
  • In Fett ausgebackene Krapfen - So versteht man Krapfen heute. Rumpolts Spanische Krapfen in rum-0062 gehen in den Ofen; für Fettgebackenes gibt es hier keinen Hinweis.

Originalwerk (~1581) gemeinfrei.

Bildquelle
Bl. CLXXVIIIa, Staatsbibliothek zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz, PPN824825497 Quelle öffnen
Transkription
Deutsches Textarchiv (DTA), Transkription Justus-Liebig-Universität Gießen 2013 Link öffnen
Übersetzung & Anmerkungen
CC BY-SA 4.0 fyndling.de
Permalink
https://w3id.org/fyndling/rum-1825
LagerkücheLagerküche
Eingeschränkt: Es sind Krapfen aus vielen dünn ausgezogenen Teigblättern, wie Rumpolt sie bei den Spanischen Krapfen mit Ochsenmark beschreibt (rum-0062). Das braucht Platz zum Ausziehen und einen Ofen oder ein Backgerät mit Hitze von oben und unten. Der Blancmanger ist ein eigenes Gericht aus gekochter Geflügelbrust (rum-0682) und muss vorher fertig sein und bis zum Einfüllen kühl stehen.
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Stand dieser Fassung: 06.10.2026. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.