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Spanische Krapfen mit Äpfeln und Ochsenmark

Ein new Kochbuch/ Das ist Ein gruͤndtliche beschreibung wie man recht vnd wol ... allerley Speiß ... auff Teutsche/ Vngerische/ Hispanische/ Jtalianische vnnd Frantzoͤsische weiß/ kochen vnd zubereiten solle · Frankfurt am Main · 1581

DessertNachspeiseLagerkücheLagerküche-tauglichAufwändigKorrekturBearbeitungsstand 8/10
BuchEin new Kochbuch (~1581)

Spanische Krapfen mit Äpfeln und Ochsenmark.

OriginalModernMengenangabeWo kaufenAlternative
Epffeln Äpfel - - Säuerliche alte Sorte wie Boskoop
Ochsenmarck Ochsenmark - Metzger (Markknochen vom Rind) -

Welches Gericht ist das? Gefüllte Krapfen aus vielen papierdünnen Teigblättern mit Äpfeln und Ochsenmark. Die Nummer gibt nur diese Überschrift. Wie Spanische Krapfen gemacht werden, beschreibt Rumpolt bei den Krapfen mit Ochsenmark (rum-0062), und dort stecken Äpfel und Mark gemeinsam in der Füllung. Heute kommen dem Apfelstrudel oder Apfeltaschen am nächsten, nur mit Rindermark in der süßen Füllung.

Die Blätter. In rum-0062 wird ein Teig aus schönem Mehl, warmem Wasser und wenig Salz eine bis anderthalb Stunden gearbeitet, bis er sich von Tisch und Händen löst, dann papierdünn ausgezogen, zu zwanzig oder dreißig Blättern. Jedes Blatt wird einzeln mit fein zerlassenem, ungesalzenem Speck bestrichen, dann werden alle aufeinandergelegt. Für diese Nummer ist das eine Übernahme; Teig und Blattzahl nennt sie nicht.

Die Füllung. Die Überschrift nennt nur Äpfel und Ochsenmark. In rum-0062 werden Äpfel mit kleinen schwarzen Rosinen, Zimt und Zucker vermischt, das Mark sauber abgeschabt, fein geschnitten und daruntergerührt. Wer sich streng an diese Nummer hält, lässt Rosinen, Zimt und Zucker weg; Rumpolts ausgeführtes Rezept hat sie.

Die Garart. Ob gebacken oder ausgebacken, sagt die Nummer nicht. Wir folgen rum-0062: in den Ofen, nicht ins Fett.

Praxis. Säuerliche Äpfel schälen, entkernen und fein würfeln, das Mark aus dem Markknochen lösen und klein schneiden, beides vermengen. Die Füllung auf die gefetteten, aufeinandergelegten Teigblätter setzen, den Teig darüber einschlagen und mit dem Teigrädchen abschneiden. Mit Eidotter bestreichen und im Ofen bei etwa 180 bis 200 Grad Ober- und Unterhitze backen, bis die Blätter goldgelb sind, die Zeit nach Sicht. Mit weißem Zucker bestreuen und warm auftragen. Wer den Teig nicht selbst ausziehen will, nimmt Filoteig.

Warum fehlt eine ausführliche Anleitung?

Rumpolt nennt zu dieser Nummer im Tortenkapitel nur die Überschrift. Dieselbe Speise beschreibt er ausführlich im Ochsenkapitel als Spanische Krapfen mit Ochsenmark (rum-0062): dünn ausgezogene Teigblätter, eine Füllung aus Äpfeln, kleinen schwarzen Rosinen, Zimt, Zucker und Mark, gebacken im Ofen. Dass er mit Nummer 35 genau dieses Rezept meint, schließen wir aus der gleichen Zutatenkombination; ausdrücklich sagt er es nicht.

Sind das Krapfen wie vom Bäcker?

Nein. Rumpolts Spanische Krapfen sind gefüllte Gebäckstücke aus vielen hauchdünnen, gefetteten Teigblättern, die mit einem Rädchen abgeschnitten und im Ofen gebacken werden (rum-0062). Mit dem heutigen in Fett ausgebackenen Hefekrapfen haben sie nur den Namen gemeinsam. Am nächsten kommen ihnen heute Apfelstrudel oder Apfeltaschen.

Ist dieses Rezept für die Lagerküche / das Mittelaltermarkt-Lager geeignet?

Eingeschränkt. Die vielen dünnen Teigblätter brauchen Platz zum Ausziehen und einen Ofen oder ein Backgerät mit Hitze von oben und unten. Das Ochsenmark muss bis zur Verarbeitung kühl bleiben.

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus „Ein new Kochbuch“. Kochbuch des kurfürstlich-mainzischen Mundkochs Marx Rumpolt, gedruckt 1581 in Frankfurt am Main: rund 1.300 durchnummerierte Rezepte in 91 Kapiteln, geordnet nach Tierarten und Zutaten, dazu Bankett- und Hofämter-Ordnungen für die fürstliche Tafel.

35. Spanische Krapffen von Epffeln vnd Ochsenmarck.
Druck
Ein new Kochbuch/ Das ist Ein gruͤndtliche beschreibung wie man recht vnd wol ... allerley Speiß ... auff Teutsche/ Vngerische/ Hispanische/ Jtalianische vnnd Frantzoͤsische weiß/ kochen vnd zubereiten solle
Teil
Von allerlei Torten
Sprache
Frühneuhochdeutsch (Frankfurter Druckersprache mit oberdeutscher Schreibung, südwestdeutsch/rhein-mainischer Küchenwortschatz, 1581)
Entstehung
Frankfurt am Main, 1581

Normdaten der Zutaten

Zuordnung der historischen Zutatennamen zu Wikidata-Konzepten, auf Grundlage des CoReMA-Zutatenindex. Mehrere Konzepte bedeuten: die Lesart ist nicht entschieden.

Epffelnapple Q89
Ochsenmarckbone marrow as food Q1378736

Lesarten

Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.

LesartSpanische Krapffen

Gewählte Lesart: Gefüllte Gebäckstücke aus vielen gefetteten, papierdünn ausgezogenen Teigblättern, mit dem Rädchen abgeschnitten und im Ofen gebacken. So beschreibt Rumpolt die Spanischen Krapfen mit Äpfeln und Ochsenmark im Ochsenkapitel (rum-0062), dem einzigen ausgeführten Verfahren im Buch. Die Nummer selbst nennt weder Teig noch Garart.

Andere mögliche Lesart:

  • In Schmalz ausgebackene Krapfen - So versteht man Krapfen heute, und Rumpolt kennt auch in Fett ausgebackenes Gebäck. Für die Spanischen Krapfen geht aber das ausgeführte Rezept in den Ofen (rum-0062); für Fettgebackenes gibt es hier keinen Hinweis.

Lesartvon Epffeln vnd Ochsenmarck

Gewählte Lesart: Äpfel und kleingeschnittenes Ochsenmark bilden zusammen die Füllung, wie in rum-0062, wo das Mark sauber abgeschabt, fein geschnitten und unter Äpfel, kleine schwarze Rosinen, Zimt und Zucker gerührt wird. Die Überschrift selbst nennt nur Äpfel und Mark.

Andere mögliche Lesarten:

  • Mark nur als Fett zwischen den Blättern - Möglich wäre, dass das Mark hier die Rolle des Specks übernimmt. Rumpolt fettet die Blätter in rum-0062 aber mit Speck und steckt das Mark in die Füllung; für eine andere Verteilung gibt es keinen Beleg.
  • Füllung ohne Rosinen, Zimt und Zucker - Wörtlich genommen nennt die Nummer nur Äpfel und Mark. Die übrigen Zutaten stammen aus rum-0062 und sind eine Übernahme, kein Befund dieser Nummer.

Originalwerk (~1581) gemeinfrei.

Bildquelle
Bl. CLXXVIIIa, Staatsbibliothek zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz, PPN824825497 Quelle öffnen
Transkription
Deutsches Textarchiv (DTA), Transkription Justus-Liebig-Universität Gießen 2013 Link öffnen
Übersetzung & Anmerkungen
CC BY-SA 4.0 fyndling.de
Permalink
https://w3id.org/fyndling/rum-1829
LagerkücheLagerküche
Eingeschränkt: Es sind Krapfen aus vielen dünn ausgezogenen Teigblättern, wie Rumpolt sie bei den Spanischen Krapfen mit Ochsenmark beschreibt (rum-0062). Das braucht Platz zum Ausziehen und einen Ofen oder ein Backgerät mit Hitze von oben und unten. Ochsenmark gibt es beim Metzger als Markknochen, am besten vorbestellt; es muss kühl bleiben. Äpfel sind frisch im Spätsommer und Herbst zu haben, gelagert bis ins Frühjahr.
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Stand dieser Fassung: 06.10.2026. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.