Ein new Kochbuch/ Das ist Ein gruͤndtliche beschreibung wie man recht vnd wol ... allerley Speiß ... auff Teutsche/ Vngerische/ Hispanische/ Jtalianische vnnd Frantzoͤsische weiß/ kochen vnd zubereiten solle · Frankfurt am Main · 1581
Nimm schwarze Rosinen und zerstoße sie. Gib etliche Eigelb und ein wenig Zucker darunter und rühre es damit ab, so ist es eine gute Füllung für eine Torte.
| Original | Modern | Mengenangabe | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|---|
| schwartze Weinbeer | Schwarze Rosinen | - | - | - |
| etliche Eyerdotter | Eigelb | - | - | - |
| ein wenig Zucker | Zucker | - | - | - |
Welches Gericht ist das? Eine süße Füllung aus zerstoßenen schwarzen Rosinen, Eigelb und etwas Zucker, Nr. 5 im Kapitel „Von allerley Turten“. Rumpolt gibt nur die Masse an; Teig, Backen und Mengen nennt er hier nicht. Den Teig beschreibt er am Anfang des Kapitels (rum-1795).
Zerstoßen. Die Rosinen kommen in den Mörser und werden zu einer groben, klebrigen Paste gestoßen, damit sich das Eigelb gleichmäßig darin verteilt. Wie fein, sagt der Text nicht.
Mengen. Der Text sagt nur „etliche“ Eigelb und „ein wenig“ Zucker. Als moderner Ausgangspunkt funktionieren etwa 3 bis 4 Eigelb auf 200 g Rosinen und 1 bis 2 EL Zucker, bis eine streichfähige Masse entsteht. Das ist eine Annahme, keine Angabe der Quelle. Die Rosinen sind schon süß, den Zucker also sparsam dosieren.
Abrühren. Eigelb und Zucker unter die Rosinenpaste geben und alles glatt verrühren. Ein Garschritt ist hier weder genannt noch nötig.
Roh oder gebacken. Rumpolt sagt nicht ausdrücklich, dass die Füllung mitgebacken wird. Aus dem Zweck „Füll zu einer Turten“ und dem Backen im Ofen oder in der Turtenpfanne am Kapitelanfang folgt: roh einfüllen und mit der Torte backen. Das Eigelb stockt dabei und hält die Füllung zusammen.
Praxis. Rosinen im Mörser stoßen, Eigelb und Zucker darunterrühren, die Masse in einen Boden aus Rumpolts Tortenteig (rum-1795) streichen und backen. Teigmenge und Backzeit musst du selbst bestimmen.
Eingeschränkt. Torten stufen wir grundsätzlich so ein: Man braucht einen Teig und eine Möglichkeit zu backen. Die Füllung selbst braucht kein Feuer, nur einen Mörser und eine Schüssel; Rosinen und Zucker halten sich, das Eigelb muss frisch sein.
Getrocknete Weintrauben, also Rosinen; hier schwarze Rosinen. Rumpolt schreibt in den Nachbarrezepten für dieselbe Zutat „schwartze Rosein“. Ob große dunkle Rosinen oder kleine Korinthen gemeint sind, sagt der Text nicht.
Hier nennt Rumpolt nur die Füllung. Den Teig gibt er am Anfang des Kapitels an: Eigelb und Butter unter das Mehl, dünn austreiben, rund schneiden und salzen (rum-1795). Diesen Teig, schreibt er, kann man für alle Torten brauchen.
Das Rezept sagt nur, die Masse sei eine gute Füllung für eine Torte. Dass sie mit der Torte gebacken wird, ergibt sich aus der Gattung: Rumpolts Torten kommen in den Ofen oder in die Turtenpfanne (rum-1795).
Dieses Rezept stammt aus „Ein new Kochbuch“. Kochbuch des kurfürstlich-mainzischen Mundkochs Marx Rumpolt, gedruckt 1581 in Frankfurt am Main: rund 1.300 durchnummerierte Rezepte in 91 Kapiteln, geordnet nach Tierarten und Zutaten, dazu Bankett- und Hofämter-Ordnungen für die fürstliche Tafel.
Getrocknete Weintrauben, also Rosinen. Rumpolt nennt dieselbe Zutat im selben Kapitel auch „schwartze Rosein“ (rum-1795, rum-1800), und dass die Beeren zerstoßen werden, passt zu Rosinen, nicht zu frischen Trauben.
Torte: eine gefüllte Teighülle, die gebacken wird, im Ofen oder in der Turtenpfanne, vergleichbar mit einer Tarte. Den Teig aus Eigelb, Butter und Mehl beschreibt Rumpolt am Anfang des Kapitels (rum-1795). Pasteten behandelt er gesondert.
Abrühren: verrühren und die Masse damit fertigstellen; „damit“ meint Eigelb und Zucker. Ein Garschritt ist das nicht (vgl. „mach sie ab“ in rum-1812).
Zuordnung der historischen Zutatennamen zu Wikidata-Konzepten, auf Grundlage des CoReMA-Zutatenindex. Mehrere Konzepte bedeuten: die Lesart ist nicht entschieden.
| etliche Eyerdotter | yolk Q16336079 |
| ein wenig Zucker | unrefined cane sugar Q57656231 |
Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.
schwartze Weinbeer
Gewählte Lesart: Schwarze Rosinen. Rumpolt schreibt im selben Kapitel für dieselbe Zutat „schwartze Rosein“ (rum-1795, rum-1800), und die Beeren werden zerstoßen; beides spricht für getrocknete Trauben.
Andere mögliche Lesart:
etliche Eyerdotter / ein wenig Zucker
Gewählte Lesart: Der Text nennt keine Mengen: „etliche“ heißt mehrere, die Zahl richtet sich nach der gewünschten Festigkeit der Masse.
Andere mögliche Lesart:
zerstoß sie
Gewählte Lesart: Der Text sagt nur „zerstoßen“; wie fein, bleibt offen.
Andere mögliche Lesarten:
Füll zu einer Turten
Gewählte Lesart: Der Text sagt nur „abrühren“ und „Füllung für eine Torte“; ob die Masse roh eingefüllt wird, steht hier nicht. Das Backen ist aus dem Kapitelanfang abgeleitet (rum-1795: im Ofen oder in der Turtenpfanne).
Andere mögliche Lesart:
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Stand dieser Fassung: 05.10.2026. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.