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Gehacktes vom Fasan mit Gestoßenem oder in Kapaunenbrühe

Ein new Kochbuch/ Das ist Ein gruͤndtliche beschreibung wie man recht vnd wol ... allerley Speiß ... auff Teutsche/ Vngerische/ Hispanische/ Jtalianische vnnd Frantzoͤsische weiß/ kochen vnd zubereiten solle · Frankfurt am Main · 1581

WildHauptspeise · WildLagerkücheLagerküche-tauglichLesartViel InterpretationsspielraumMittelKorrekturBearbeitungsstand 9/10
BuchEin new Kochbuch (~1581)

Du kannst daraus auch ein Gehacktes machen, ein Gestoßenes darüber gießen und es damit aufkochen lassen.

Oder du kannst es in eine Kapaunenbrühe geben, die fein klar ist, und es danach aufkochen lassen.

OriginalModernMengenangabeWo kaufenAlternative
(erschlossen) Fasan (Kapitel; Bezug von „darauß“ auf die gesottene Brust aus Nr. 13) - Wildhändler, gut sortierter Metzger -
gestossens gestossens - - -
Kappaunenbruͤh Kapaunenbrühe - Metzger, gut sortierter Supermarkt Klare Hühnerbrühe

Welches Gericht ist das? Nr. 14 im Fasanenkapitel ist ein Anhängsel an Nr. 13 und für sich allein nicht kochbar. Aus der gesottenen Fasanenbrust wird ein Gehacktes gemacht, das auf zwei Arten fertig wird: mit dem Gestoßenen aus Nr. 13 übergossen oder in klarer Kapaunenbrühe, beide Male kurz aufgekocht.

Das Gestoßene. Gemeint ist kein eigenes Mus, sondern das Gestoßene von der Fasanenbrust aus der vorigen Nummer: gesottene Brust im Mörser gestoßen und mit Brühe durchgestrichen. Wie dick es sein soll, sagt Nr. 14 nicht; weil es darübergegossen wird, muss es gießfähig sein. Beim gemeinsamen Aufkochen bindet es das Gehackte.

Die Brühe. „Fein lauter“ heißt: ganz klar, ohne Trübung. Die Brühe bindet nichts, sie wärmt das Gehackte durch und gibt Geschmack. Anders als bei Nr. 15 (Kapaunbrust mit Kalbsfett und Eiern) kommen hier weder Fett noch Ei noch Gewürz dazu.

Praxis. Die gesottene Fasanenbrust fein hacken. Entweder das Gestoßene so weit mit Brühe lösen, dass es sich gießen lässt, darübergießen und zusammen kurz aufkochen, oder das Gehackte in klare Kapaunen- oder Hühnerbrühe geben und aufkochen. Das Fleisch ist schon gar, es soll nur heiß werden; bei schwacher Hitze sieden lassen. Mengen und Zeiten nennt der Text nicht.

Was ist ein „gestossens“ in diesem Rezept?

Das Gestoßene von der Fasanenbrust aus der vorigen Nummer: gesottene Brust, im Mörser gestoßen und mit Brühe durchgestrichen. Bei Henne und Gans beschreibt Rumpolt das Verfahren ausführlich, dort kommen eingeweichte Mandeln und Weißbrot dazu. Ein eigenes Mus ohne Fleisch ist nicht gemeint.

Was ist eine Kapaunenbrühe?

Eine Brühe von einem Kapaun, einem kastrierten, gemästeten Hahn. Rumpolt verlangt sie „fein lauter“, also ganz klar. Eine klare Hühnerbrühe ist ein guter Ersatz.

Ist dieses Rezept für die Lagerküche / das Mittelaltermarkt-Lager geeignet?

Eingeschränkt. Messer, Topf und Feuer reichen, aber frischer Fasan braucht eine Kühlkette.

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus „Ein new Kochbuch“. Kochbuch des kurfürstlich-mainzischen Mundkochs Marx Rumpolt, gedruckt 1581 in Frankfurt am Main: rund 1.300 durchnummerierte Rezepte in 91 Kapiteln, geordnet nach Tierarten und Zutaten, dazu Bankett- und Hofämter-Ordnungen für die fürstliche Tafel.

14. Du kanst auch ein gehack darauß machen, vnd ein gestossens darvber giessen, vñ darmit auffsieden lassen, Oder kansts in einer Kappaunenbruͤh geben, fein lauter, vnd darnach auffsieden lassen.
gehack

Klein gehacktes Fleisch (Idiotikon: klein zerschnittenes Fleisch; PfWB: Hackfleisch). Hier vom Fasan, nach der Rezeptfolge von der gesottenen Brust.

gestossens

Substantiviertes Partizip: „das Gestoßene“. Bei Rumpolt ein eigenes Gericht aus gesottener Geflügelbrust, im Mörser gestoßen und mit Brühe durch ein Haartuch gestrichen, bis es „fein dick“ ist; so beschrieben bei der Henne (Nr. 8, mit Mandeln und Weißbrot) und der Gans (Nr. 10). Gemeint ist hier das Gestoßene von der Fasanenbrust aus der vorigen Nummer. In den Wörterbüchern ist das Substantiv nicht belegt, die Bedeutung ergibt sich aus Rumpolts eigenem Gebrauch.

Kappaunenbruͤh

Brühe von einem Kapaun, einem kastrierten, gemästeten Hahn.

fein lauter

Ganz klar, ohne Trübung; bezieht sich auf die Brühe.

Druck
Ein new Kochbuch/ Das ist Ein gruͤndtliche beschreibung wie man recht vnd wol ... allerley Speiß ... auff Teutsche/ Vngerische/ Hispanische/ Jtalianische vnnd Frantzoͤsische weiß/ kochen vnd zubereiten solle
Teil
Vom Fasan
Sprache
Frühneuhochdeutsch (Frankfurter Druckersprache mit oberdeutscher Schreibung, südwestdeutsch/rhein-mainischer Küchenwortschatz, 1581)
Entstehung
Frankfurt am Main, 1581

Normdaten der Zutaten

Zuordnung der historischen Zutatennamen zu Wikidata-Konzepten, auf Grundlage des CoReMA-Zutatenindex. Mehrere Konzepte bedeuten: die Lesart ist nicht entschieden.

Kappaunenbruͤhchicken stock Q96362076

Lesarten

Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.

Lesartgestossens

Gewählte Lesart: Das Gestoßene von der Fasanenbrust aus Nr. 13 („Mach auch ein gestossens von der Fasan Brust“): gesottene Brust, gestoßen und mit Brühe durchgestrichen. Rumpolt nennt das Gericht durchgehend „Gestossens von …“ (Henne, Gans, Pute) und gießt es dort ebenfalls über das Geflügel.

Andere mögliche Lesart:

  • Ein selbständiges Mus, etwa aus Brot oder Mandeln - Im Text nicht belegt. Mandeln und Weißbrot kommen in Rumpolts Gestoßenem vor, aber immer zusammen mit dem Fleisch der Brust, nie als eigene Sauce ohne Fleisch.

Lesartdarauß

Gewählte Lesart: Aus der Fasanenbrust, um die es in Nr. 12 und 13 geht; nach Nr. 13 ist sie gesotten. Der Satz hat kein eigenes Bezugswort und hängt an der vorigen Nummer.

Andere mögliche Lesarten:

  • Aus der Brust eines gebratenen Fasans - So macht es Rumpolt in Nr. 16 (rum-0570); für Nr. 14 sagt der Text nichts zur Garart.
  • Aus dem ganzen gegarten Fasan, auch Keule und Flügel - Möglich, aber die Nachbarnummern sprechen alle von der Brust.

LesartKonsistenz des Gestoßenen

Gewählte Lesart: Dicklich, aber gießbar: „darvber giessen“, und in Nr. 8 (Henne) und Nr. 10 (Gans) wird das Gestoßene mit Brühe durchgestrichen, „daß fein dick wirdt“, und dann über das Fleisch gegossen.

Andere mögliche Lesart:

  • Feste Paste, die nur aufgelegt wird - Passt nicht zu „giessen“.

Originalwerk (~1581) gemeinfrei.

Bildquelle
Bl. LXIXa, Staatsbibliothek zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz, PPN824825497 Quelle öffnen
Transkription
Deutsches Textarchiv (DTA), Transkription Justus-Liebig-Universität Gießen 2013 Link öffnen
Übersetzung & Anmerkungen
CC BY-SA 4.0 fyndling.de
Permalink
https://w3id.org/fyndling/rum-0568
LagerkücheLagerküche
Hauptzutat ist frischer Fasan, der Engpass ist die Kühlkette. Sonst reichen Messer, Topf und Feuer.
Alle Rezepte aus Ein new Kochbuch Alle Kochbücher

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Stand dieser Fassung: 05.10.2026. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.