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Gerösteter Rheinfisch in Erbsenbrühe mit Salzzitronen und Ingwer

Ein new Kochbuch/ Das ist Ein gruͤndtliche beschreibung wie man recht vnd wol ... allerley Speiß ... auff Teutsche/ Vngerische/ Hispanische/ Jtalianische vnnd Frantzoͤsische weiß/ kochen vnd zubereiten solle · Frankfurt am Main · 1581

FischHauptspeise · FischLagerkücheLagerküche-tauglichLesartViel InterpretationsspielraumMittelKorrekturBearbeitungsstand 8/10
Zubereitungszeitca. 40 Min. KüchenzeitBuchEin new Kochbuch (~1581)

Röste den Rheinfisch aus und bereite ihn mit einer Erbsenbrühe zu, mit Essig und frischer Butter, mit gesalzenen Zitronen und gestoßenem Ingwer. Lass es damit rasch einsieden, so wird es gut und wohlschmeckend.

OriginalModernMengenangabeWo kaufenAlternative
Rheinfisch Rheinfisch - Fischhändler -
Erbsbruͤh Erbsenbrühe - - -
Essig Essig - - -
frischer Butter frische Butter - - -
gesaltzen Limonien gesalzene Zitronen - Feinkosthandel oder orientalischer Lebensmittelhandel frische Zitrone (Notbehelf, deutlich weniger salzig)
gestossen Jngwer gestoßener Ingwer - - Ingwerpulver

Welches Gericht ist das? Ein zuerst gerösteter Fisch, der danach in einer sauer-würzigen Erbsenbrühe mit Essig, frischer Butter, Salzzitronen und gestoßenem Ingwer gart. Es ist das zweite von drei Rheinfisch-Rezepten desselben Kapitels; dasselbe Verfahren mit Erbsenbrühe, Salzzitronen und rascher Reduktion steht beim weißen Hecht (rum-0977).

Rheinfisch. Welche Art gemeint ist, bleibt offen; der Text sagt auch nicht, ob der Fisch frisch oder gesalzen ist. Wer einen gesalzenen Fisch verwendet, muss ihn vorher wässern, was hier nicht steht.

Ausrösten. Rumpolt verlangt, den Fisch auszurösten, also fertig zu rösten. Beim Nachkochen liegt es nahe, ihn in wenig Fett in der Pfanne zu braten; das Rösten gibt Röstaroma und macht das Fleisch fester, damit es in der Brühe nicht zerfällt. Das ist Praxis, nicht Textbefund.

Erbsenbrühe. Sie wird als fertige Komponente vorausgesetzt. Praktisch: getrocknete Erbsen weich kochen und die Brühe abgießen oder durch ein Tuch streichen.

Rasch einsieden. Fisch und Brühe kochen zusammen zügig ein; die Flüssigkeit reduziert sich und dickt durch die Erbsen leicht an. Eine Bindung mit Brot gibt es nicht.

Praxis. Salzzitronen und Essig sparsam dosieren und erst zum Schluss mit Salz abschmecken. Die Zubereitungszeit von etwa 40 Minuten ist eine Schätzung, der Text gibt keine Zeit an; sie setzt fertige Erbsenbrühe voraus.

Was ist ein Rheinfisch?

Das lässt sich nicht sicher sagen. Das Deutsche Wörterbuch nennt zwei Bedeutungen: jeden Fisch aus dem Rhein, oder einen mit dem Stockfisch verwandten Fisch, den gesalzenen Laberdan. Rumpolt kennt den Rheinfisch im selben Kapitel gesalzen und frisch „auß dem See“.

Wo bekomme ich Salzzitronen?

Im Feinkosthandel oder im orientalischen Lebensmittelhandel. Frische Zitrone ist nur ein Notbehelf: Sie säuert, bringt aber das Salz der eingelegten Zitrone nicht mit.

Ist dieses Rezept für die Lagerküche / das Mittelaltermarkt-Lager geeignet?

Eingeschränkt. Fisch und frische Butter brauchen eine Kühlkette. Die Zubereitung selbst klappt mit einem Topf über offenem Feuer.

Was heißt „resch einsieden“?

Rasch, also zügig einkochen. Mit „knusprig“, der Bedeutung von resch bei Gebackenem, hat es bei einer Brühe nichts zu tun.

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus „Ein new Kochbuch“. Kochbuch des kurfürstlich-mainzischen Mundkochs Marx Rumpolt, gedruckt 1581 in Frankfurt am Main: rund 1.300 durchnummerierte Rezepte in 91 Kapiteln, geordnet nach Tierarten und Zutaten, dazu Bankett- und Hofämter-Ordnungen für die fürstliche Tafel.

2. Roͤßt den Rheinfisch auß, vnd mach jn ein mit einer Erbsbruͤh, mit Essig vnd frischer Butter, mit gesaltzen Limonien vñ gestossen Jngwer, laß damit resch eynsieden, so wirt es gut vnd wolgeschmack.
Rheinfisch

Das Deutsche Wörterbuch kennt zwei Bedeutungen: jeder im Rhein lebende Fisch, oder ein mit dem Stockfisch verwandter Fisch - nach einigen heißt der Laberdan, gesalzener Kabeljau, in Oberdeutschland Rheinfisch. Rumpolt kennt ihn in diesem Kapitel gesalzen (Nr. 1) und ganz frisch „auß dem See“ (Nr. 3). Welche Art gemeint ist, lässt sich nicht sicher bestimmen.

Roͤßt ... auß

ausrösten heißt fertig rösten, also durchbraten, nicht bloß anrösten. Ein Fett nennt der Text an dieser Stelle nicht; die Butter kommt erst in die Brühe.

mach jn ein

Einmachen ist bei Rumpolt vieldeutig: Meist wird etwas in etwas zubereitet, und das Verfahren ergibt sich aus dem Zusammenhang. Hier nennt der Text die Erbsenbrühe als Medium und danach das Einsieden; konserviert wird nichts.

Erbsbruͤh

Brühe von gekochten Erbsen, bei Rumpolt eine Standardbrühe für Fisch. Ob sie klar oder durchgestrichen ist, sagt der Text nicht.

gesaltzen Limonien

Limonien sind Zitronen, gesaltzen Limonien in Salz eingelegte Zitronen - bei Rumpolt eine fertige Zutat, die Brühen säuert und salzt.

gestossen Jngwer

gestossen = im Mörser zerstoßen. Eine Menge nennt der Text nicht.

resch eynsieden

resch = rasch, schnell; gemeint ist zügiges Einkochen. Die Bedeutung „knusprig“, die das Wort bei Gebratenem und Gebackenem hat, passt zu einer Brühe nicht.

Druck
Ein new Kochbuch/ Das ist Ein gruͤndtliche beschreibung wie man recht vnd wol ... allerley Speiß ... auff Teutsche/ Vngerische/ Hispanische/ Jtalianische vnnd Frantzoͤsische weiß/ kochen vnd zubereiten solle
Teil
Vom Rheinfisch
Sprache
Frühneuhochdeutsch (Frankfurter Druckersprache mit oberdeutscher Schreibung, südwestdeutsch/rhein-mainischer Küchenwortschatz, 1581)
Entstehung
Frankfurt am Main, 1581

Normdaten der Zutaten

Zuordnung der historischen Zutatennamen zu Wikidata-Konzepten, auf Grundlage des CoReMA-Zutatenindex. Mehrere Konzepte bedeuten: die Lesart ist nicht entschieden.

Erbsbruͤhpea stock Q107246700
Essigvinegar Q41354
frischer Butterbutter Q34172
gestossen Jngwerginger Q15046077

Lesarten

Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.

LesartRheinfisch

Gewählte Lesart: Druckform „Rheinfisch“ beibehalten, Art offen. Für einen Stockfisch-Verwandten (Laberdan, DWB Bedeutung 2) spricht, dass Rumpolt ihn im selben Kapitel gesalzen kennt und das Koch- und Kellermeisterei-Buch von 1574 „Stockfisch oder Rheinfisch“ zusammenstellt.

Andere mögliche Lesart:

  • Ein Fisch aus dem Rhein (DWB Bedeutung 1), also ein Süßwasserfisch. - Möglich; Nr. 3 des Kapitels nennt ihn frisch „auß dem See“. Hecht, Karpfen oder Zander sind dadurch aber nicht belegt.

LesartZustand des Fischs (frisch oder gesalzen)

Gewählte Lesart: Nicht festgelegt: Nr. 2 sagt nichts darüber, ob der Rheinfisch frisch oder gesalzen ist.

Andere mögliche Lesarten:

  • Gesalzener Rheinfisch wie in Nr. 1 des Kapitels (rum-1018). - Die Rezepte stehen in einer Serie; dann müsste der Fisch vorher gewässert werden, was hier nicht steht.
  • Frischer Fisch, wie Nr. 3 (rum-1020) ihn ausdrücklich bevorzugt. - Praktische Annahme beim Nachkochen; im Text dieses Rezepts nicht gesagt.

LesartRoͤßt ... auß

Gewählte Lesart: Ausrösten = fertig rösten; Art des Röstens und Fett bleiben offen.

Andere mögliche Lesarten:

  • In Butter ausbraten, wie Nr. 1 des Kapitels „auß der Butter roͤßten“ (rum-1018) sagt. - Stützt die Pfannenlesart, ist hier aber nicht ausgeschrieben; die Butter darum nicht in den Röstschritt ergänzen.
  • Auf dem Rost über Glut rösten. - Bei Rumpolt für Fisch üblich (vgl. rum-0951), hier nicht genannt.

Lesartmach jn ein

Gewählte Lesart: Mit der Erbsenbrühe zubereiten. Weil der Text danach Fisch und Brühe zusammen „resch eynsieden“ lässt, gart der Fisch in der Brühe.

Andere mögliche Lesart:

  • Den fertig gerösteten Fisch nur in die Brühe legen und anrichten. - Das folgende „laß damit resch eynsieden“ zeigt, dass Fisch und Brühe zusammen weitergaren.

Lesartresch eynsieden

Gewählte Lesart: Rasch einsieden, also zügig einkochen - wie bei derselben Formel in rum-0977 und rum-0921 (Lexer/BMZ resche „behende, schnell“).

Andere mögliche Lesart:

  • Lebhaft, sprudelnd einkochen. - resch bei Feuer heißt lebhaft (rum-0968 „resch Feuwer“); läuft praktisch auf dasselbe hinaus, betont aber die Hitze statt der Dauer.

LesartErbsbruͤh

Gewählte Lesart: Brühe von gekochten Erbsen als fertige Komponente; Rumpolt beschreibt ihre Herstellung hier nicht.

Andere mögliche Lesarten:

  • Klarer Erbsensud ohne Püree. - Andere Rumpolt-Rezepte verlangen sie ausdrücklich „lauter“ (rum-0865, rum-0881); hier steht nichts dazu.
  • Durch ein Tuch gestrichene, leicht sämige Erbsenbrühe. - Moderne Praxis beim Nachkochen; ebenfalls nicht im Text.

LesartMengen von Essig, Salzzitrone und Ingwer

Gewählte Lesart: Der Text nennt keine Mengen; sie bleiben offen.

Andere mögliche Lesart:

  • Sparsam dosieren und erst am Ende salzen. - Praxisannahme, weil Salzzitronen (und ein gesalzener Fisch) kräftig salzen und der Essig säuert.

Originalwerk (~1581) gemeinfrei.

Bildquelle
Bl. CXIIa, Staatsbibliothek zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz, PPN824825497 Quelle öffnen
Transkription
Deutsches Textarchiv (DTA), Transkription Justus-Liebig-Universität Gießen 2013 Link öffnen
Übersetzung & Anmerkungen
CC BY-SA 4.0 fyndling.de
Permalink
https://w3id.org/fyndling/rum-1019
LagerkücheLagerküche
Eingeschränkt: Der Fisch und die frische Butter brauchen eine Kühlkette. Die Zubereitung selbst gelingt mit einem Topf über offenem Feuer; Salzzitronen sind haltbar, die Erbsenbrühe lässt sich im Lager kochen.
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Stand dieser Fassung: 12.10.2026. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.