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Lachspastete in Roggenteig mit Salbei

Ein new Kochbuch/ Das ist Ein gruͤndtliche beschreibung wie man recht vnd wol ... allerley Speiß ... auff Teutsche/ Vngerische/ Hispanische/ Jtalianische vnnd Frantzoͤsische weiß/ kochen vnd zubereiten solle · Frankfurt am Main · 1581

FischHauptspeise · FischLagerkücheLagerküche-tauglichLesartViel InterpretationsspielraumMittelKorrekturBearbeitungsstand 9/10
Zubereitungszeit180 Min.BuchEin new Kochbuch (~1581)

Nimm einen Lachs. Gib Pfeffer und Ingwer dazu und lass ihn ein bis zwei Stunden in der Beize liegen.

Dann schlage ihn mit Butter und frischem Salbei in einen Roggenteig ein und verschließe sie. Schiebe die Pastete in den Ofen und lass sie backen. Dann wird sie gut und auch wohlschmeckend.

OriginalModernMengenangabeWo kaufenAlternative
ein Salm Lachs 1 Fischhändler -
Pfeffer Pfeffer - - -
Jngwer Ingwer - - -
Butter Butter - - -
ein Ruckenteig Roggenteig - - Selbst angerührt aus Roggenmehl (etwa Type 997 oder 1150), warmem Wasser und wenig Salz, so wie Rumpolt den Roggenteig in rum-1779 beschreibt; die Mehltype ist eine moderne Empfehlung
frischer Salbey Frischer Salbei - - -

Welches Gericht ist das? Ein Lachs, der vorher mit Pfeffer und Ingwer gebeizt wird und dann mit Butter und frischem Salbei in einer Hülle aus Roggenteig gebacken wird. Heute erinnert das an Lachs im Teigmantel; das ist ein Vergleich, keine Herleitung. Eine Füllung im heutigen Sinn gibt es nicht, die Pastete ist hier die geschlossene Teighülle um den Fisch.

Der Fisch. Wörtlich wird der ganze Lachs eingeschlagen; vom Zerteilen ist keine Rede. In der Praxis nimmt man einen ausgenommenen, geschuppten kleinen Lachs oder ein dickes Mittelstück, die Gräten bleiben drin.

Die Beize. Den Lachs mit Pfeffer und Ingwer einreiben und ein bis zwei Stunden abgedeckt im Kühlschrank ruhen lassen, nicht bei Raumtemperatur. Eine Flüssigkeit nennt der Text nicht. Salz nennt diese Nummer ebenfalls nicht; wer salzen will, gibt es in den Teig, wie Rumpolt es in der Hechtpastete rum-1779 tut.

Teig und Einschlagen. Roggenmehl mit warmem Wasser und wenig Salz zu einem festen, steifen Teig anrühren, so wie Rumpolt den Roggenteig in rum-1779 beschreibt. Ausrollen, den Lachs mit Butterstücken und frischen Salbeiblättern darauflegen, einschlagen und die Pastete rundum dicht verschließen.

Backen. Der Text sagt nur, die Pastete in den Ofen zu schieben und backen zu lassen. Im heutigen Backofen bei etwa 180 °C rund 45 bis 60 Minuten je nach Dicke des Fisches backen; das ist eine Schätzung. Zur Garprobe die Hülle an einer Stelle öffnen und prüfen, ob sich das Fleisch an der Gräte leicht löst.

Warm oder kalt. Der Text sagt es nicht. Die Hausen- und die Störpastete derselben Reihe werden ausdrücklich kalt, diese nicht; warm aus dem Ofen ist naheliegend. Ob die Roggenhülle mitgegessen wird, bleibt offen.

Praxis. Rumpolt nennt weder Mengen noch Ofenhitze noch Backzeit. Die Zubereitungszeit von etwa 3 Stunden ist eine Schätzung, der Text gibt keine Zeit an; sie umfasst die Beize von ein bis zwei Stunden und das Backen.

Ist dieses Rezept für die Lagerküche / das Mittelaltermarkt-Lager geeignet?

Eingeschränkt. Es ist eine Pastete mit frischem Lachs: Der Fisch muss bis zum Backen gekühlt bleiben, auch während der ein bis zwei Stunden in der Beize, und man braucht eine Backgelegenheit. Rumpolt nennt weder Hitze noch Backzeit. Im Lager backt man heute am ehesten in einem gusseisernen Topf mit Glut oben und unten; das ist moderne Praxis, nicht Rumpolts Verfahren.

Was ist die „Beize“ im Rezept, und womit beize ich den Lachs?

Rumpolt nennt nur Pfeffer und Ingwer und eine Zeit von ein bis zwei Stunden, aber keine Flüssigkeit. In den Hechtpasteten derselben Reihe beizt er ebenfalls ohne Flüssigkeit, mit Pfeffer und Ingwer (rum-1778) oder mit Salz und Gewürz (rum-1779). Am nächsten am Text ist es daher, den Lachs mit Pfeffer und Ingwer einzureiben und abgedeckt im Kühlen ruhen zu lassen. Eine Beize mit Flüssigkeit ist nicht ausgeschlossen, für dieses Rezept aber nicht belegt.

Was ist ein Roggenteig, und wie mache ich ihn?

Ein fester Teig aus Roggenmehl, der als Hülle um den Fisch dient. Dieses Rezept nennt kein Teigrezept. In der Hechtpastete rum-1779 rührt Rumpolt den Roggenteig mit warmem Wasser und ein wenig Salz an, bis er schön steif ist. Heute nimmt man dafür Roggenmehl, etwa der Type 997 oder 1150; die Mehltype ist eine moderne Empfehlung.

Wird die Pastete warm oder kalt gegessen, und isst man den Teig mit?

Beides sagt der Text nicht. Er endet mit „laß backen“. Die Hausen- und die Störpastete derselben Reihe (rum-1775, rum-1776) lässt Rumpolt ausdrücklich kalt werden, diese nicht. Warm aus dem Ofen ist daher eine naheliegende Lesart, kalt ist ebenso möglich. Ob die Roggenhülle mitgegessen wird, bleibt offen.

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus „Ein new Kochbuch“. Kochbuch des kurfürstlich-mainzischen Mundkochs Marx Rumpolt, gedruckt 1581 in Frankfurt am Main: rund 1.300 durchnummerierte Rezepte in 91 Kapiteln, geordnet nach Tierarten und Zutaten, dazu Bankett- und Hofämter-Ordnungen für die fürstliche Tafel.

3. Nim̃ ein Salm, Pfeffer vnd Jngwer, laß ein stundt oder zwo in der beiß liegen, schlags mit Butter in ein Ruckenteig vnnd frischer Salbey, machs zu, scheubs in Ofen, vnnd laß backen, so wird es gut vnd auch wolgeschmack.
Salm

Der Lachs.

beiß

Beize. Der Fisch liegt ein bis zwei Stunden darin. Der Text nennt nur Pfeffer und Ingwer, keine Flüssigkeit. In den Hechtpasteten derselben Reihe beizt Rumpolt ebenfalls ohne Flüssigkeit: „beiß den Hecht mit Pfeffer vnd Jngwer eyn“ (rum-1778), „im Saltz vnd Gewuͤrtz ein stundt beissen“ (rum-1779).

Ruckenteig

Roggenteig; Rumpolt gebraucht das Wort durchgehend so. In rum-1779 rührt er ihn „mit warmen Wasser/ vñ ein wenig Saltz“ an, bis er „fein steiff“ ist. Er bildet eine feste Backhülle um den Fisch. Ob er mitgegessen wird, sagt der Text nicht.

machs zu

Mach sie zu, also die Pastete rundum verschließen.

scheubs in Ofen

Schieb es in den Ofen.

wolgeschmack

Wohlschmeckend.

Druck
Ein new Kochbuch/ Das ist Ein gruͤndtliche beschreibung wie man recht vnd wol ... allerley Speiß ... auff Teutsche/ Vngerische/ Hispanische/ Jtalianische vnnd Frantzoͤsische weiß/ kochen vnd zubereiten solle
Teil
Von Pasteten aus Fisch
Sprache
Frühneuhochdeutsch (Frankfurter Druckersprache mit oberdeutscher Schreibung, südwestdeutsch/rhein-mainischer Küchenwortschatz, 1581)
Entstehung
Frankfurt am Main, 1581

Normdaten der Zutaten

Zuordnung der historischen Zutatennamen zu Wikidata-Konzepten, auf Grundlage des CoReMA-Zutatenindex. Mehrere Konzepte bedeuten: die Lesart ist nicht entschieden.

ein Salmsalmon Q83363028
Pfefferpepper Q3143131
Jngwerginger Q15046077
Butterbutter Q34172

Lesarten

Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.

LesartRuckenteig

Gewählte Lesart: Roggenteig. Rumpolt gebraucht „Ruckenteig“ durchgehend als Roggenteig: In rum-1779 rührt er ihn mit warmem Wasser und Salz steif an, in rum-1770 stellt er „Ruckenteig oder Weitzenteig“ einander gegenüber. „Rucken“ ist eine Nebenform von Roggen (Lexer; Mittelniederdeutsches Handwörterbuch: ruckenbrôt = roggenbrôt).

Lesartbeiß

Gewählte Lesart: Trockene Gewürzbeize: Der Lachs liegt ein bis zwei Stunden mit Pfeffer und Ingwer. Der Text nennt keine Flüssigkeit, und in den Hechtpasteten derselben Reihe beizt Rumpolt ebenso ohne Flüssigkeit („beiß den Hecht mit Pfeffer vnd Jngwer eyn“, rum-1778; „im Saltz vnd Gewuͤrtz ein stundt beissen“, rum-1779).

Andere mögliche Lesart:

  • Eine Beize mit einer Flüssigkeit, die der Text nicht nennt - „in der beiß liegen“ lässt an eine Flüssigkeit denken. Welche, sagt das Rezept nicht, und die Parallelstellen derselben Reihe sprechen dagegen.

LesartLachs ganz oder in Stücken

Gewählte Lesart: Der ganze Fisch: „Nim̃ ein Salm … schlags … in ein Ruckenteig“ nennt kein Zerteilen, anders als die Hechtpastete rum-1778, die den Fisch ausdrücklich in kleine Stücke schneidet. Auch Ausnehmen und Schuppen nennt der Text nicht.

Andere mögliche Lesart:

  • Ausgenommener, geschuppter kleiner Lachs oder ein dickes Mittelstück, Gräten bleiben drin - Praktische heutige Lösung; ein ganzer großer Lachs passt selten in einen Ofen.

LesartSalz

Gewählte Lesart: Der Text nennt kein Salz, es wird im Rezept nicht ergänzt. Die Störpastete rum-1776, fast gleich formuliert, salzt dagegen ausdrücklich („pfeffer vnd saltz jn“).

Andere mögliche Lesart:

  • Salz in den Teig geben - Rumpolts Roggenteig in rum-1779 enthält „ein wenig Saltz“; so kommt Salz in das Gericht, ohne die Beize zu verändern.

LesartBackzeit und Hitze

Gewählte Lesart: Der Text sagt nur „scheubs in Ofen/ vnnd laß backen“ und nennt weder Hitze noch Zeit.

Andere mögliche Lesart:

  • Mittlere Ofenhitze, etwa 180 °C, rund 45 bis 60 Minuten je nach Dicke des Fisches, mit Garprobe am Fisch - Moderne Schätzung für einen Fisch in geschlossener Teighülle, nicht aus dem Text.

Lesartwarm oder kalt

Gewählte Lesart: Offen. Die Hausen- und die Störpastete derselben Reihe (rum-1775, rum-1776) lässt Rumpolt ausdrücklich „kalt werden“, diese Nummer nicht.

Andere mögliche Lesarten:

  • Warm aus dem Ofen - Naheliegend, weil der Text mit dem Backen endet und kein Kaltwerden nennt.
  • Kalt, wie die Nachbarpasteten - Möglich, weil das Verfahren dem der Störpastete rum-1776 fast wörtlich gleicht.

Originalwerk (~1581) gemeinfrei.

Bildquelle
Bl. CLXXVa, Staatsbibliothek zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz, PPN824825497 Quelle öffnen
Transkription
Deutsches Textarchiv (DTA), Transkription Justus-Liebig-Universität Gießen 2013 Link öffnen
Übersetzung & Anmerkungen
CC BY-SA 4.0 fyndling.de
Permalink
https://w3id.org/fyndling/rum-1777
LagerkücheLagerküche
Eingeschränkt: Es ist eine Pastete mit frischem Lachs als Hauptzutat. Der Fisch muss bis zum Backen gekühlt bleiben, auch während der ein bis zwei Stunden in der Beize, und man braucht eine Backgelegenheit. Im Lager backt man heute am ehesten in einem gusseisernen Topf mit Glut oben und unten; das ist moderne Praxis, nicht Rumpolts Verfahren. Hitze und Backzeit nennt der Text nicht.
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Stand dieser Fassung: 09.10.2026. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.