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Wachteln, gelb auf ungarische Art oder mit schwarzen Rosinen

Ein new Kochbuch/ Das ist Ein gruͤndtliche beschreibung wie man recht vnd wol ... allerley Speiß ... auff Teutsche/ Vngerische/ Hispanische/ Jtalianische vnnd Frantzoͤsische weiß/ kochen vnd zubereiten solle · Frankfurt am Main · 1581

GeflügelHauptspeise · GeflügelLesartViel InterpretationsspielraumMittelKorrekturBearbeitungsstand 9/10
BuchEin new Kochbuch (~1581)

Fein gelb auf ungarische Art in einer Sauce gegart, oder mit schwarzen Rosinen fein bräunlich und ein wenig süß, sodass der Essig hervortritt.

OriginalModernMengenangabeWo kaufenAlternative
(erschlossen) Wachteln (aus der Kapitelüberschrift) - Geflügelhändler, gut sortierter Metzger -
schwartzen Rosein schwarze Rosinen - Supermarkt -
Essig Essig - - -

Welches Gericht ist das? Kein ausgeführtes Rezept, sondern eine Zeile im Wachtelkapitel: Wachteln in einer gelben Sauce auf ungarische Art, oder in einer bräunlichen Sauce mit schwarzen Rosinen, ein wenig süß, sodass der Essig hervortritt. Das Tier steht nur in der Kapitelüberschrift. Mengen, Garzeit und Saucenbasis nennt Rumpolt hier nicht. Heute erinnert das am ehesten an Geflügel in süßsaurer Rosinensauce; das ist ein Vergleich, keine Übersetzung.

Was macht die Sauce gelb? Die Zeile sagt es nicht, deshalb ergänzt diese Fassung kein Farbmittel. Im ausgeschriebenen gelben Gericht auf ungarische Art bei den alten Hennen (rum-0690) gehört Safran dazu.

Süß und sauer. „Ein wenig süß, daß der Essig fürschlegt“: Die Süße ist Gegengewicht, der Essig soll trotzdem hervortreten. Womit gesüßt wird, sagt die Zeile nicht; die Rosinen bringen selbst Süße und färben bräunlich.

Praxis. Ohne eigene Annahmen lässt sich die Nummer nicht nachkochen. Wer ein Verfahren braucht, überträgt das Muster der alten Hennen auf ungarische Art (rum-0690): Äpfel, Zwiebeln und Zitronen klein gehackt in Rindfleischbrühe einkochen, mit klarem Wein und wenig Essig das Geflügel darin sieden, mit Pfeffer, Safran und Zucker abschmecken, bis eine kurze Brühe bleibt. Für die Rosinenform zeigen die gelb eingemachten Vögel (rum-0825), wie Rumpolt schwarze Rosinen einsetzt: Rindfleischbrühe und Essig, etwas eingebranntes Mehl, Birnenviertel, gewaschene Rosinen und wenig Zucker, mit den Vögeln gesotten. Beides ist eine Übertragung, keine Anweisung Rumpolts für die Wachteln. Abgeschmeckt wird so, dass der Essig neben der Süße deutlich durchschmeckt.

Warum steht hier keine Anleitung?

Rumpolt gibt zu dieser siebten Wachtel-Nummer nur eine Zeile. Die gelbe Sauce auf ungarische Art führt er bei den alten Hennen aus (rum-0690); dass die Wachteln genauso gemacht werden, sagt er aber nicht ausdrücklich. Wir übertragen von dort nichts in den Rezepttext.

Was bedeutet „daß der Essig fürschlegt“?

Der Essig soll hervortreten, also trotz der Süße deutlich zu schmecken sein. Rumpolt gebraucht die Wendung mehrfach, etwa beim Damhirsch (rum-0347). Einen Wörterbuchbeleg für diese Geschmacksbedeutung gibt es nicht; die Lesart folgt aus dem Zusammenhang.

Ist dieses Rezept für die Lagerküche geeignet?

Nein. Überliefert ist nur eine Zeile ohne Zubereitung; dazu brauchen frische Wachteln Beschaffung und Kühlung.

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus „Ein new Kochbuch“. Kochbuch des kurfürstlich-mainzischen Mundkochs Marx Rumpolt, gedruckt 1581 in Frankfurt am Main: rund 1.300 durchnummerierte Rezepte in 91 Kapiteln, geordnet nach Tierarten und Zutaten, dazu Bankett- und Hofämter-Ordnungen für die fürstliche Tafel.

7. Fein gelb auff Vngerisch eyngemacht, oder mit schwartzen Rosein fein braͤunlich, vnd ein wenig suͤß, daß der Essig fuͤrschlegt.
Fein gelb auff Vngerisch eyngemacht

Die Zeile beginnt ohne Verb und ohne Tier, wie eine Überschrift. Das Tier gibt das Kapitel vor: Sie ist die siebte Nummer unter „Von Wachteln seind neunzenerley Speiß vnd Trachten zu machen“ (Bl. XCb). „Eyngemacht“ heißt bei Fleisch und Geflügel „in einer Sauce gegart“, nicht haltbar gemacht. „Fein“ meint hier schön, sauber, nicht kräftig.

auff Vngerisch

„Auf ungarische Art“ - Rumpolts eigene Herkunftsangabe, die er für eine ganze Reihe gelb oder schwarz in Sauce gegarter Gerichte verwendet. Ausgeschrieben ist die gelbe Form bei den alten Hennen (rum-0690).

schwartzen Rosein

Schwarze, also dunkle Rosinen. Eine Sorte legt der Text nicht fest. Sie färben die Sauce bräunlich und bringen Süße mit.

fuͤrschlegt

Von fürschlagen, hier wohl: hervortreten, vorschmecken. Der Essig soll sich trotz der Süße bemerkbar machen. Rumpolt gebraucht die Wendung mehrfach, etwa beim Damhirsch (rum-0347). Für diese Geschmacksbedeutung gibt es keinen Wörterbuchbeleg; die Lesart folgt aus dem Zusammenhang.

Druck
Ein new Kochbuch/ Das ist Ein gruͤndtliche beschreibung wie man recht vnd wol ... allerley Speiß ... auff Teutsche/ Vngerische/ Hispanische/ Jtalianische vnnd Frantzoͤsische weiß/ kochen vnd zubereiten solle
Teil
Von Wachteln
Sprache
Frühneuhochdeutsch (Frankfurter Druckersprache mit oberdeutscher Schreibung, südwestdeutsch/rhein-mainischer Küchenwortschatz, 1581)
Entstehung
Frankfurt am Main, 1581

Normdaten der Zutaten

Zuordnung der historischen Zutatennamen zu Wikidata-Konzepten, auf Grundlage des CoReMA-Zutatenindex. Mehrere Konzepte bedeuten: die Lesart ist nicht entschieden.

(erschlossen)quail Q83363038
Essigvinegar Q41354

Lesarten

Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.

Lesartfuͤrschlegt

Gewählte Lesart: „Sodass der Essig hervortritt“: Der Essig schmeckt neben der Süße deutlich durch. Grund: Rumpolts eigener Gebrauch, etwa „daß der Essig fein fuͤrschlegt“ beim Damhirsch (rum-0347) und „schlegt der Pfeffer fein für dem Saltz“ an anderer Stelle. Das Deutsche Wörterbuch führt fürschlagen nur unter vorschlagen, ohne Geschmacksbedeutung.

Andere mögliche Lesarten:

  • Der Essig herrscht vor, die Sauce schmeckt vor allem sauer - Möglich, wenn man vorschlagen als „überwiegen“ liest. „Ein wenig süß“ spricht aber eher für ein Gleichgewicht, in dem der Essig nur spürbar bleibt.
  • „Vorschlagen“ im heutigen Sinn von empfehlen - Ergibt keinen Sinn: Der Satz handelt vom Geschmack, nicht von einer Empfehlung. Deshalb steht im Text nicht mehr „vorschlägt“.

Lesartgelb

Gewählte Lesart: „Gelb“ benennt die Form der Sauce, kein Farbmittel. Im ausgeschriebenen gelben Gericht auf ungarische Art bei den alten Hennen (rum-0690) gehört Safran dazu; für die Wachteln nennt Rumpolt keinen.

Andere mögliche Lesart:

  • Praxis: Farbe offen lassen und kein Farbmittel ergänzen - So hält es diese Fassung, weil die Zeile selbst nichts nennt. Wer nach rum-0690 kocht, nimmt den Safran von dort.

Lesartoder mit schwartzen Rosein

Gewählte Lesart: Eine zweite Form: statt der gelben Sauce eine bräunliche mit schwarzen Rosinen, leicht gesüßt und vom Essig getragen. Grund: „oder“ trennt die beiden Fassungen, und „bräunlich“ steht im Gegensatz zu „gelb“.

Andere mögliche Lesarten:

  • Die Rosinen kommen in die gelbe ungarische Sauce, die dadurch bräunlich wird - Sprachlich möglich, weil nach „oder“ kein neues Verfahren genannt wird. Ob die ungarische Grundlage bleibt, sagt der Text nicht.
  • „Ein wenig süß, daß der Essig fürschlegt“ gilt für beide Formen - Auch die ausgeschriebenen gelben Gerichte auf ungarische Art sind gesüßt und mit Essig gesäuert (rum-0690); der Satzbau hängt den Zusatz aber an die Rosinenform.

Originalwerk (~1581) gemeinfrei.

Bildquelle
Bl. XCb, Staatsbibliothek zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz, PPN824825497 Quelle öffnen
Transkription
Deutsches Textarchiv (DTA), Transkription Justus-Liebig-Universität Gießen 2013 Link öffnen
Übersetzung & Anmerkungen
CC BY-SA 4.0 fyndling.de
Permalink
https://w3id.org/fyndling/rum-0806
LagerkücheLagerküche
Nein: Rumpolt gibt zu dieser Nummer nur eine Zeile, ohne Garschritt, Mengen oder Ablauf. Käme es zum Nachkochen, bräuchten die frischen Wachteln zudem eine durchgehende Kühlkette.
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Stand dieser Fassung: 09.10.2026. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.