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Äsche im Cassenadt, kalt oder warm mit Erbsenbrühe und Butter

Ein new Kochbuch/ Das ist Ein gruͤndtliche beschreibung wie man recht vnd wol ... allerley Speiß ... auff Teutsche/ Vngerische/ Hispanische/ Jtalianische vnnd Frantzoͤsische weiß/ kochen vnd zubereiten solle · Frankfurt am Main · 1581

FischHauptspeise · FischLagerkücheLagerküche-tauglichLesartViel InterpretationsspielraumEinfachKorrekturBearbeitungsstand 8/10
BuchEin new Kochbuch (~1581)

Du kannst die Äsche auch im Cassenadt absieden; wenn es dir gefällt, serviere sie kalt.

Oder mach sie warm mit Erbsenbrühe und frischer Butter und lass sie damit aufkochen. Mach sie sauer oder nicht - auf beide Weisen ist sie gut und wohlschmeckend.

OriginalModernMengenangabeWo kaufenAlternative
(erschlossen) Äsche (aus der Kapitelüberschrift „Von einer Esch seind sechßerley Speiß vnd Trachten zu machen“) - Fischhändler, auf Nachfrage -
Erbsbruͤh Erbsenbrühe - - -
frischer Butter frische Butter - - -
saur sauer (Mittel nicht genannt) - - -

Welches Gericht ist das? Das fünfte von sechs Äschengerichten in Rumpolts Kapitel von der Äsche. Der Satz selbst nennt den Fisch nicht; er ergibt sich aus der Kapitelüberschrift. Rumpolt stellt zwei Fassungen zur Wahl: im Cassenadt abgesotten und kalt, oder warm mit Erbsenbrühe und frischer Butter aufgekocht, nach Belieben gesäuert.

Cassenadt. Rumpolt erklärt den Namen bei den Gründlingen selbst: trocken und blau absieden, kalt werden lassen, anrichten, Essig und grüne Petersilie darüber (rum-1162). Dieser Satz nennt davon nur das Absieden und das Kaltwerden. Wer Essig und Petersilie zugibt, folgt Rumpolts Erklärung, nicht dem Wortlaut dieses Rezepts. Die warme Fassung ist ausdrücklich die Alternative dazu („oder machs warm“), kein Cassenadt.

Absieden. Die Äsche gart schnell; im selben Kapitel warnt Rumpolt, sie nicht zu verkochen, „ein Esch ist bald gesotten“ (rum-1047). Ob der Fisch im Sud oder herausgenommen erkaltet, sagt der Satz nicht; bei den Forellen lässt Rumpolt ihn in der Brühe stehen, bis er kalt ist (rum-0961).

Die warme Fassung. Den abgesottenen Fisch mit Erbsenbrühe und frischer Butter kurz aufkochen lassen. Ob der Fisch vorher gar gesotten wird oder gleich in der Brühe gart, lässt der Text offen. Erbsenbrühe ist die Brühe von gekochten Erbsen, kein Püree. Von Binden oder Einkochen steht nichts da.

Sauer oder nicht. Womit gesäuert wird, sagt der Satz nicht. Naheliegend ist Essig, mit dem Rumpolt im selben Kapitel die blau gesottene Äsche säuert (rum-1047). Wie sauer, bleibt dem Koch überlassen.

Praxis. Ein Topf genügt. Rumpolt nennt weder Mengen noch Zeiten.

Welcher Fisch ist gemeint?

Die Äsche. Der Satz selbst nennt den Fisch nicht, er steht als fünftes von sechs Gerichten im Kapitel „Von einer Esch seind sechßerley Speiß vnd Trachten zu machen“. Die Äsche ist ein Süßwasserfisch aus der Familie der Lachsfische; im Handel ist sie selten, am ehesten fragt man beim Fischhändler nach.

Was bedeutet „Cassenadt“?

Cassenadt ist Rumpolts eigener Name für eine Anrichtung. Er erklärt ihn bei den Gründlingen: trocken und blau absieden, kalt werden lassen, anrichten und mit Essig und grüner Petersilie übergießen (rum-1162). In diesem Rezept steht das Wort für die kalte Fassung. Essig und Petersilie nennt der Satz nicht; wer sie zugibt, folgt Rumpolts Erklärung. In den historischen Wörterbüchern ist das Wort nicht belegt.

Was ist Erbsenbrühe?

Die Brühe von gekochten Erbsen, kein Erbsenpüree. Rumpolt nimmt sie bei Fischen häufig zusammen mit frischer Butter, etwa beim Saibling (rum-0939) oder bei der gebackenen Äsche im selben Kapitel (rum-1051).

Ist dieses Rezept für die Lagerküche geeignet?

Eingeschränkt. Frische Äsche und frische Butter brauchen eine Kühlkette oder müssen tagesfrisch besorgt werden. Die Zubereitung selbst ist einfach und braucht nur einen Topf am Feuer; die Erbsenbrühe kann man vorher kochen.

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus „Ein new Kochbuch“. Kochbuch des kurfürstlich-mainzischen Mundkochs Marx Rumpolt, gedruckt 1581 in Frankfurt am Main: rund 1.300 durchnummerierte Rezepte in 91 Kapiteln, geordnet nach Tierarten und Zutaten, dazu Bankett- und Hofämter-Ordnungen für die fürstliche Tafel.

5. Du magst auch im Cassenadt absieden, gefellt dirs, es sey kalt, oder machs warm mit Erbsbruͤh, vnnd frischer Butter, laß darmit auffsieden, machs saur oder nicht, so ist auff beyde manier gut vnd wolgeschmack.
Cassenadt

Rumpolts eigener Name für eine Anrichtung. Bei den Gründlingen erklärt er ihn: trocken und blau abgesotten, kalt werden lassen, anrichten, Essig und grüne Petersilie darüber, „so nennet man es ein Cassenadt“ (rum-1162). Hier gehört das Wort zur kalten Fassung; die warme mit Erbsenbrühe und Butter ist die Alternative dazu. In den historischen Wörterbüchern ist das Wort nicht belegt, seine Herkunft ist offen.

absieden

In Wasser gar sieden. Gemeint ist das Garen des Fisches, nicht ein Vorkochen; im selben Kapitel heißt es von der Äsche, sie sei „bald gesotten“ (rum-1047).

auffsieden

Aufkochen lassen.

machs saur

Säuern. Womit, sagt der Satz nicht; im selben Kapitel säuert Rumpolt die blau gesottene Äsche mit Essig (rum-1047).

wolgeschmack

Wohlschmeckend, gut im Geschmack.

Druck
Ein new Kochbuch/ Das ist Ein gruͤndtliche beschreibung wie man recht vnd wol ... allerley Speiß ... auff Teutsche/ Vngerische/ Hispanische/ Jtalianische vnnd Frantzoͤsische weiß/ kochen vnd zubereiten solle
Teil
Von der Äsche
Sprache
Frühneuhochdeutsch (Frankfurter Druckersprache mit oberdeutscher Schreibung, südwestdeutsch/rhein-mainischer Küchenwortschatz, 1581)
Entstehung
Frankfurt am Main, 1581

Normdaten der Zutaten

Zuordnung der historischen Zutatennamen zu Wikidata-Konzepten, auf Grundlage des CoReMA-Zutatenindex. Mehrere Konzepte bedeuten: die Lesart ist nicht entschieden.

(erschlossen)grayling Q627960
Erbsbruͤhpea stock Q107246700
frischer Butterbutter Q34172

Lesarten

Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.

LesartCassenadt

Gewählte Lesart: Name einer Anrichtung, wie Rumpolt ihn bei den Gründlingen selbst erklärt: trocken und blau abgesotten, kalt werden lassen, anrichten, Essig und grüne Petersilie darüber (rum-1162). Hier passt das zur kalten Fassung („gefellt dirs/ es sey kalt“). Die Übersetzung behält die Druckform; Essig und Petersilie werden nicht als Zutaten ergänzt, weil der Satz sie nicht nennt.

Andere mögliche Lesarten:

  • Nur absieden und kalt werden lassen, ohne Essig-Petersilien-Guss - Streng nach dem Wortlaut dieses Satzes. Der Guss kommt nur über Rumpolts Erklärung bei den Gründlingen hinein.
  • Weiter gefasster Name für Gesottenes, kalt Angerichtetes mit wechselndem Guss - Bei den jungen Hühnern (rum-0722) heißt „im Cassenadt“ ein kaltes Gericht mit einer Brühe aus Hennenbrühe, unreifen Weinbeeren und Ingwer. Das spricht dafür, dass Rumpolt das Wort nicht nur für den Essig-Guss gebraucht.

Lesartmachs saur oder nicht

Gewählte Lesart: Gilt der warmen Fassung, an deren Ende es steht: die Erbsenbrühe mit Butter wird nach Belieben gesäuert oder nicht, und „auff beyde manier“ ist sie gut.

Andere mögliche Lesart:

  • Gilt für beide Fassungen, „beyde manier“ meint kalt und warm - Grammatisch möglich. Für die kalte Fassung ist das Säuern aber schon durch den Essig in Rumpolts Cassenadt-Erklärung gedeckt.

Lesartsaur

Gewählte Lesart: Sauer machen, ohne Angabe des Mittels. Der Satz nennt keine Säure.

Andere mögliche Lesarten:

  • Mit Essig - Naheliegend: Im selben Kapitel säuert Rumpolt die blau gesottene Äsche mit Essig (rum-1047), und seine Cassenadt-Erklärung nennt Essig (rum-1162).
  • Mit einer anderen Säure, etwa Saft unreifer Trauben - Bei Rumpolt kommen auch unreife Weinbeeren als Säure vor (rum-0722); hier ist nichts genannt, die Wahl bleibt offen.

Lesartlaß darmit auffsieden

Gewählte Lesart: Der abgesottene Fisch wird mit Erbsenbrühe und frischer Butter kurz aufgekocht.

Andere mögliche Lesart:

  • Der Fisch gart gleich in der Erbsenbrühe mit Butter - Der Satz sagt nur „laß darmit auffsieden“; ob der Fisch vorher abgesotten ist, lässt er offen.

Originalwerk (~1581) gemeinfrei.

Bildquelle
Bl. CXVa, Staatsbibliothek zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz, PPN824825497 Quelle öffnen
Transkription
Deutsches Textarchiv (DTA), Transkription Justus-Liebig-Universität Gießen 2013 Link öffnen
Übersetzung & Anmerkungen
CC BY-SA 4.0 fyndling.de
Permalink
https://w3id.org/fyndling/rum-1050
LagerkücheLagerküche
Eingeschränkt: Frische Äsche als Hauptzutat braucht bis zum Garen eine durchgehende Kühlkette, ebenso die frische Butter. Die Zubereitung selbst braucht nur einen Topf am Feuer; die Erbsenbrühe sollte fertig vorbereitet bereitstehen.
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Stand dieser Fassung: 12.10.2026. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.