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Ausgebackene Nudeln in Milch, unter dem heißen Deckel gebräunt

Ein new Kochbuch/ Das ist Ein gruͤndtliche beschreibung wie man recht vnd wol ... allerley Speiß ... auff Teutsche/ Vngerische/ Hispanische/ Jtalianische vnnd Frantzoͤsische weiß/ kochen vnd zubereiten solle · Frankfurt am Main · 1581

BeilageBeilageLagerkücheLagerküche-tauglichLesartViel InterpretationsspielraumEinfachKorrekturBearbeitungsstand 8/10
Zubereitungszeitca. 25 Min. KüchenzeitBuchEin new Kochbuch (~1581)

Nimm Nudeln und backe sie in Butter aus. Gib sie in gesottene Milch und lass sie sieden, bis es dick wird. Schmecke mit Salz ab, lege einen heißen Deckel darüber und bräune es. So ist es gut und wohlschmeckend.

OriginalModernMengenangabeWo kaufenAlternative
Nudel Nudel - - -
Butter Butter - - -
gesotten Milch Gesottene Milch - - -
saltz Salz - - -

Welches Gericht ist das? Nudeln werden in Butter ausgebacken, in gesottener Milch dick eingekocht, mit Salz abgeschmeckt und unter einem heißen Deckel gebräunt. Es ist eine salzige Beilage, Zucker oder Gewürze nennt der Text nicht. Heute erinnern überbackene Milchnudeln daran, nur ohne Ei und Käse.

Die Nudeln. Rumpolt meint Eierteigware, wie er sie in Nr. 204 beschreibt: fester Teig aus Eiern und Mehl, dünn ausgerollt, aufgewickelt und fein geschnitten. Frische Eiernudeln aus dem Handel gehen auch.

Ausbacken. Die Nudeln in Butter ausbacken, bis sie leicht Farbe nehmen. Das gibt Röstaroma und macht sie fest, sodass sie in der Milch nicht zerfallen. Die Butter nicht zu heiß werden lassen, sonst verbrennt sie.

In der Milch eindicken. Milch aufkochen, die Nudeln hineingeben und sieden lassen, bis es dick wird. Gebunden wird durch die Stärke der Nudeln und die einkochende Milch. Bei kleiner bis mittlerer Hitze und mit gelegentlichem Rühren, weil Milch leicht ansetzt. Erst dann salzen.

Der heiße Deckel. Das Bräunen geschieht unter dem heißen Deckel, es braucht also Hitze von oben. Am Feuer legt man Glut auf den Deckel eines gusseisernen Topfs oder einer Tortenpfanne; in der heutigen Küche stellt man den Topf in den Backofen unter Oberhitze oder den Grill, bis die Oberfläche braun ist.

Praxis. Nudeln in Butter ausbacken, in gekochter Milch dick einkochen, salzen, von oben bräunen. Die Zubereitungszeit von etwa 25 Minuten ist eine Schätzung mit fertigen Nudeln, der Text gibt keine Zeit an.

Ist dieses Rezept für die Lagerküche geeignet?

Ja. Nudeln, Butter, Milch und Salz lassen sich mit Pfanne und Topf mit Deckel am Feuer verarbeiten. Die Milch braucht bis zum Kochen Kühlung. Zum Bräunen legt man Glut auf den Deckel.

Was ist die „heiße Decke“?

Ein heißer Deckel. Unter ihm wird die eingedickte Speise braun, der Deckel muss also Hitze von oben geben. Rumpolt bräunt auch andere Milchmuse mit einem heißen Topfdeckel, und bei einem Eierschmalz legt er Glut auf den Deckel, damit es oben backt. Wie der Deckel hier heiß wird, sagt der Text nicht; heute nimmt man Oberhitze im Backofen oder den Grill.

Welche Nudeln soll ich nehmen?

Rumpolt meint selbst gemachte Eierteigware: Teig aus Eiern und Mehl, dünn ausgerollt und fein geschnitten, so beschreibt er es in einem anderen Nudelrezept. Frische Eiernudeln aus dem Handel kommen dem am nächsten.

Ist das eine Süßspeise?

Nein. Der Text nennt weder Zucker noch Honig, abgeschmeckt wird nur mit Salz. Das Rezept steht im Kapitel über Beilagen („Zugemüß“).

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus „Ein new Kochbuch“. Kochbuch des kurfürstlich-mainzischen Mundkochs Marx Rumpolt, gedruckt 1581 in Frankfurt am Main: rund 1.300 durchnummerierte Rezepte in 91 Kapiteln, geordnet nach Tierarten und Zutaten, dazu Bankett- und Hofämter-Ordnungen für die fürstliche Tafel.

156. Nim̃ Nudel, vnd back sie auß Butter, thu sie in gesotten Milch, vnd laß sieden, biß dick wirt, saltz ab, thu ein heisse Decken daruͤber, vñ mach es braun, so ist es gut vnd wolgeschmack.
Nudel

Was Rumpolt unter Nudeln versteht, beschreibt er selbst in Nr. 204 (rum-1486): ein fester Teig nur aus Eiern und Mehl, dünn ausgetrieben, aufgewickelt und fein klein geschnitten; ähnlich in Nr. 54 (rum-1643) mit „einem Ey oder zwey“. Gemeint ist also eine handgeschnittene Eierteigware.

back sie auß Butter

Backen heißt hier: in Fett garen, nicht im Ofen. Dieselbe Wendung steht bei Rumpolt für das Ausbacken von Teigstreifen und Krapfen in Butter.

gesotten Milch

Gesottene, also zuvor aufgekochte Milch.

ein heisse Decken

Ein heißer Deckel, nicht eine Bettdecke oder ein Tuch. Rumpolt bräunt Milchmuse auch sonst mit einem Topfdeckel: „machs braun mit einer heissen Hafendeck“ (rum-1370), „mit einer Küpffern Hafendeck“ (rum-1371). Bei einem Eierschmalz legt er „ein heisse Deck mit Kolen darauff“, damit es oben backt (rum-1323).

wolgeschmack

Wohlschmeckend; Rumpolts übliche Schlussformel.

Druck
Ein new Kochbuch/ Das ist Ein gruͤndtliche beschreibung wie man recht vnd wol ... allerley Speiß ... auff Teutsche/ Vngerische/ Hispanische/ Jtalianische vnnd Frantzoͤsische weiß/ kochen vnd zubereiten solle
Teil
Von allerlei Gemüse
Sprache
Frühneuhochdeutsch (Frankfurter Druckersprache mit oberdeutscher Schreibung, südwestdeutsch/rhein-mainischer Küchenwortschatz, 1581)
Entstehung
Frankfurt am Main, 1581

Normdaten der Zutaten

Zuordnung der historischen Zutatennamen zu Wikidata-Konzepten, auf Grundlage des CoReMA-Zutatenindex. Mehrere Konzepte bedeuten: die Lesart ist nicht entschieden.

Butterbutter Q34172
gesotten Milchmilk Q8495
saltztable salt Q11254

Lesarten

Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.

Lesartein heisse Decken daruͤber/ vñ mach es braun

Gewählte Lesart: Ein heißer Deckel kommt über die eingedickte Speise, und unter ihm wird sie braun: „mach es braun“ ist das Ergebnis des Deckels, kein eigener Schritt. So bräunt Rumpolt auch andere Milchmuse mit einem heißen Topfdeckel (rum-1370, rum-1371), und bei einem Eierschmalz legt er Glut auf den heißen Deckel, damit es oben backt (rum-1323). Wie der Deckel hier heiß gemacht wird, sagt der Text nicht.

Andere mögliche Lesarten:

  • Deckel mit glühender Kohle darauf, wie in rum-1323 - Die naheliegende Ausführung, weil ein Deckel ohne Hitze von oben nicht bräunt; in diesem Rezept steht die Glut aber nicht.
  • Eine Decke im Sinn von Tuch - Rumpolt nennt mit „Decke“ an anderer Stelle ein Tuch; ein Tuch kann nicht bräunen, deshalb verworfen.
  • Heute: Topf in den Backofen unter Oberhitze oder Grill stellen - Heutige Entsprechung des heißen Deckels; ein Gerät nennt der Text nicht.

Lesartback sie auß Butter

Gewählte Lesart: Die Nudeln in Butter ausbacken; wie viel Butter, gibt Rumpolt nicht an.

Andere mögliche Lesarten:

  • Schwimmend in reichlich Butter ausbacken, wie bei Krapfen - Dieselbe Wendung gebraucht Rumpolt für das Ausbacken von Krapfen (rum-0685); hier ist die Menge nicht festgelegt.
  • In der Pfanne in so viel Butter, dass die Nudeln leicht Farbe nehmen - Heutige Ausführung, gut zu steuern; im Ergebnis ähnlich.

LesartNudel

Gewählte Lesart: Handgeschnittene Eierteigware, wie Rumpolt sie in Nr. 204 (rum-1486) beschreibt: Teig aus Eiern und Mehl, dünn ausgetrieben, fein klein geschnitten.

Andere mögliche Lesarten:

  • In Fett gebackener Hefeteig (vgl. Schmalznudel) - Das Wort hat im 16. Jahrhundert auch diese Bedeutung; für Rumpolt ist sie nicht belegt, seine Nudelrezepte beschreiben Eierteig.
  • Heute: frische Eiernudeln oder gekaufte Eierteigware - Praktischer Ersatz für den selbst geschnittenen Teig.

Lesartgesotten Milch

Gewählte Lesart: Milch, die schon gesotten, also aufgekocht ist, wenn die Nudeln hineinkommen; ebenso im Straubenmus „heiß gesotten Milch“ (rum-1483).

Andere mögliche Lesart:

  • Frische Milch im Topf aufkochen und die Nudeln dann hineingeben - Heutige Ausführung, im Ergebnis gleich.

Originalwerk (~1581) gemeinfrei.

Bildquelle
Bl. CLIIb, Staatsbibliothek zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz, PPN824825497 Quelle öffnen
Transkription
Deutsches Textarchiv (DTA), Transkription Justus-Liebig-Universität Gießen 2013 Link öffnen
Übersetzung & Anmerkungen
CC BY-SA 4.0 fyndling.de
Permalink
https://w3id.org/fyndling/rum-1438
LagerkücheLagerküche
Gut geeignet: Nudeln, Butter, Milch und Salz, gekocht in Pfanne und Topf mit Deckel am Feuer. Die Milch braucht Kühlung bis zum Kochen. Zum Bräunen kann man Glut auf den Deckel legen, wie Rumpolt es bei einem Eierschmalz vorschreibt (rum-1323).
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Stand dieser Fassung: 16.10.2026. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.